Barockkleider und Herrenröcke, schwarze Muttermale und Männerzöpfe: Im Walzer "Perlen der Liebe" von Josef Strauß im Park und Schloß Laxenburg frönt der britische Choreograf Ashley Page bei der ersten Balletteinlage des diesjährigen Neujahrskonzerts jener Zeit, die man mit Strauß verbindet. Zumindest aus touristischer Sicht. Die Kleider fliegen aufgrund der zahlreichen Hebefiguren, die Solisten des Wiener Staatsballetts zeigen sich wie man sie sehen möchte: technisch auf hohem Niveau und in homogener Kollegenschaft. Emma Ryotts Kostüme runden den leichten und fließenden Gesamteindruck ab.

In "Auf und davon" von Eduard Strauß hingegen jagen Maria Yakovleva und Davide Dato spielerisch durch den Gartenpavillon von Stift Melk. Freilich bleibt vor allem auf Kies und Wiese wenig choreografischer Freiraum,  der aber durch die Neckereien der Beiden wettgemacht wird.

Und ausnahmsweise gibt es heuer auch eine dritte Tanzeinlage, die zum Konzertfinale zu sehen ist: Die  Neuaufnahme von Johann Strauß' "An der schönen blauen Donau" in den teilweise nicht öffentlich zugänglichen Innenräumlichkeiten des Stifts Melk. Diese Aufzeichnung wird künftig den vom Staatsballett getanzten Donauwalzer von Davide Bombana ersetzen, der zehn Jahre lang um Mitternacht zu Silvester nach dem Läuten der Pummerin im ORF gezeigt wird. Ashley Page lässt in seiner Interpretation die fünf Solisten-Paare stilvoll in den prunken Räumen walzen und setzt auch hier auf klassisches Schrittrepertoire mit hin und wieder neoklassischen Einflüssen. Nach dem letztjährigen äußerst zeitgenössischen Tanzeinlagen des Neujahrskonzerts sieht man 2023 einen entspannenden und  eleganten Augenschmaus für Ballettfans. Ein bisschen mit Kitsch, aber angebrachter Kitsch.

Hyo-Jung Kang und Calogero Failla im neuen "Donauwalzer" der künftig um Mitternacht im ORF zu sehen sein wird. 
- © ORF / Günther Pichlkostner

Hyo-Jung Kang und Calogero Failla im neuen "Donauwalzer" der künftig um Mitternacht im ORF zu sehen sein wird.

- © ORF / Günther Pichlkostner