Bei der Tageszeitung "Die Presse" herrscht nach dem Rückzug von Herausgeber, Chefredakteur und Geschäftsführer Rainer Nowak weiter Unklarheit über die künftige Führung der Tageszeitung. Nowak hatte am 11. November alle seine Ämter zurückgelegt, nachdem in der sogenannten Chat-Affäre Nachrichten von ihm aufgetaucht waren, die die Unabhängigkeit der Zeitung in Zweifel zogen. Nowak gab ÖVP-Exponenten wohlmeinende Tipps für das Handling der eigenen Redaktion.

Mehr als zwei Monate danach herrscht noch immer Unklarheit, wer künftig welche Aufgaben in der "Presse" übernimmt. Es besteht offenbar kein Zeitdruck, obwohl die "Presse", wie alle Medien, auf der Kostenseite enorm unter Druck steht. Insider wollen wissen, dass der für die Chefredaktion genannte Ökonom des der Industrie nahestehenden Thinktanks "Agenda Austria", Franz Schellhorn, in der Vorwoche für den Job zugesagt haben soll. Schellhorn war vor der Gründung von "Agenda Austria" Wirtschaftschef der "Presse". Schellhorn sagt auf Anfrage, dass er einen laufenden Vertrag mit Agenda Austria hat und dort "sehr happy ist". Die Geschäftsführung der zum Styria-Konzern gehörigen "Presse" wollten auf Anfrage der "Wiener Zeitung" nichts bestätigen oder dementieren.

In den letzten Tagen kursierte wiederum verstärkt eine In-House-Lösung mit einer Doppelspitze aus Florian Asamer und Hanna Kordik. Asamer ist stellvertretender Chefredakteur und derzeit mit der interimistischen Leitung der Redaktion betraut. Kordik leitet derzeit mit Gerhard Hofer das Wirtschaftsressort. Die Funktion des Chefredakteurs oder der Chefredakteurin bedarf der Zustimmung bei einer geheimen Wahl durch die gesamte Redaktion. Die Ablehnung eines Bewerbers ist nur mit großer Mehrheit dagegen möglich.

Daniel Bischof aus der Innenpolitik der "Wiener Zeitung" wechselt nach dem Abgang Anna Thalhammers Richtung "profil"-Chefredaktion zur "Presse".