Bereits im Jahr 2017 kaufte die ProSiebenSat1-Gruppe den bis dahin eigenständigen privaten TV-Sender ATV. Doch die Bundeswettbewerbsbehörde hatte Bedenken wegen zu großer Konzentration auf dem heimischen Privat-TV-Markt und stellte eine lange Liste an Auflagen, die beim Kauf zu erfüllen waren. Diese Auflagen für fünf Jahre sind nun abgelaufen. ProSiebenSat1 kann nun mit ATV machen, was man dort für richtig hält.

Das führt offenbar zu weitreichenden Umstrukturierungen in der Sendergruppe. Vorgeschrieben war bei der ATV-Übernahme etwa die Beibehaltung des Sendernamens, aber auch ein eigenständiger Geschäftsführer für den Programmbereich, eigenständiger Chefredakteur, eigenes Budget, eigenes Personal, eigenständige Programmierung sowie ein eigenes Redaktionsstatut. Auch die Nachrichtensendungen mussten im Wesentlichen bleiben, wie sie vorher waren.

ATV-Chef übernimmt auch Puls4

Fest steht: Strukturell ist schon seit Jahresanfang nichts mehr, wie es war. In einem viele Monate laufenden Projekt wurden die journalistischen Redaktionen in einen gemeinsamen Newsroom  integriert, deren Stärke auf etwa 175 Personen gestiegen ist - für die gesamte Sendergruppe. Beiträge werden nun vermehrt gemeinsam für alle Formate und Sender produziert. Doppelgleisigkeiten sollen so vermieden werden. Einen Aufstieg gab es dabei auch für den ehemaligen ATV-Programmchef Thomas Gruber, der nun auch Puls4 übernehmen wird.

Teams für einzelnen Sendungen sollen jedoch bestehen bleiben, wenngleich eingebunden in eine größere Struktur. Eigenes Personal und Leitungsfunktionen, wie in den Auflagen vorgesehen gewesen, sind jedoch vom Tisch. Der neue Senderchef Gruber sprach in Interviews davon dass "Stärken zusammengeführt und Synergien gehoben" werden. Einen Verlust an Medienvielfalt fürchtet er nicht. Man werde nun im Themenspektrum "viel breiter". Gruber kündigte weniger teure Shows und dafür mehr österreichische Factual-Reality-Formate, True Crime und Comedy im Programm des Privatsenders an. In Interviews mit dem "Kurier" und der "Kleinen Zeitung" begründete er diesen Schritt damit, dass Shows viel Budget wegnehmen, der Output an Sendeminuten aber relativ gering sei. Das so eingesparte Geld solle direkt ins Programm fließen, wobei der Sender der ProSiebenSat1-Gruppe künftig einen stärkeren Fokus auf Geschichten aus Österreich richten werde. "Das Leben in Österreich bietet so viele Facetten, was aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden kann. Wenn bei ATV die Antihelden und Underdogs im Vordergrund stehen, dann ist jetzt der Ansatz bei Puls4, dass hier die Protagonisten das Leben aktiv und eher positiv angehen und so ihre Probleme und Herausforderungen, die es da auch gibt, meistern", sagte Gruber. Auf das Format "2 Minuten 2 Millionen" werde man aber nicht verzichten, dieses nur "dichter" gestalten. Um die Marktanteile von Puls4 auszuweiten, möchte er speziell in der Primetime investieren.

Neue Staffeln für Klassiker

Keine neuen Formate, dafür neue Staffeln gibt es Anfang Jänner bei ATV. So gehen "Alles Liebe", "Teenager werden Mütter", "Mei potschertes Lebn", "Mein Gemeindebau", und die True-Crime-Sendung "Ungelöst - Cold Case Austria" in die nächste Runde, mit den "Bauer sucht Frau"-Eventfolgen steht ein Wiedersehen mit Bäuerinnen und Bauern an. Alle Formate und Staffeln sind auch in der App "Zappn" aufrufbar.

Der Fall der Auflagen macht auch den Tausch von Formaten möglich. Verlängert wurde das erfolgreiche ATV-Format "Die Woche" (So., 22.45), das nun 35 Minuten dauert und montags auf Puls24 wiederholt wird.