• vom 06.07.2011, 17:07 Uhr

Medien

Update: 07.07.2011, 18:36 Uhr

Fernsehen

Der ölige Charme des Geldscheffelns




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Von Christina Böck

  • Vor 30 Jahren kam "Dallas" ins deutschsprachige Fernsehen - die Serie setzte Maßstäbe
  • Kultserie beeinflusste Sehgewohnheiten und Fernsehdramaturgie.
  • Was die Ewings mit den Kennedys verbindet.

Larry Hagman, der legendäre Dallas-Bösewicht, vor zwei Jahren in Wien.

Larry Hagman, der legendäre Dallas-Bösewicht, vor zwei Jahren in Wien.© Apaweb /Pfarrhofer Larry Hagman, der legendäre Dallas-Bösewicht, vor zwei Jahren in Wien.© Apaweb /Pfarrhofer

Wer ganz genau hingeschaut hat, der hat ihn sehen können. Hinter einem vor lauter Bunga Bunga nervös schwitzenden Richard Lugner: Beim diesjährigen Wiener Opernball hatte der Baumeister nämlich nicht nur eine mutmaßliche Ministerpräsidenten-Gespielin eingeladen, sondern auch einen Mann, den er reichlich unhöflich links liegen ließ - einen Mann, der vor 30 Jahren die Massen bewegte. Da war Larry Hagman nämlich noch hauptberuflich J.R. Ewing, der ikonische Widerling aus der Kultserie "Dallas".


Anfang Juli 1981 lief in Österreich die erste Folge der Seifenoper über den texanischen Öl-Clan. Und wurde natürlich auch hier zum Straßenfeger. Tatsächlich wirkte sich die Popularität von "Dallas" auf die Gastronomie und die Kinos aus, in Johannesburg - ja, auch dort wurde "Dallas" gezeigt, und sogar im kommunistischen Rumänien - sperrten die Lichtspielhäuser am "Dallas"-Tag erst gar nicht auf.

Als die Serie drei Jahre nach ihrem Start in den USA also in ZDF und ORF landete, hatte sie ihren Zenit in der Heimat schon überschritten. Selten, dass man einen Zenit so klar in Zahlen ausdrücken kann wie hier: 83 Millionen Zuseher in 42 Millionen Haushalten, 76 Prozent Marktanteil. So viele Menschen sahen zu, als die Kunst der Fernsehdramaturgie nachhaltig verändert wurde. Die zweite Staffel endete nämlich damit, dass auf J.R. geschossen wird. Ein Cliffhanger, so hundsgemein wie J.R. selbst und wie ihn das Fernsehen bis dahin nicht gekannt hatte. Den ganzen Sommer erwartete das amerikanische Volk die Antwort auf die Frage "Wer erschoss J.R.?" Der Ausbruch des Iran-Irak-Kriegs? Interessierte keinen Menschen. Dafür gab es T-Shirts mit dem Aufdruck "I shot J.R." und Ronald Reagan ließ für seinen Wahlkampf Buttons produzieren, auf denen stand: "Es war ein Demokrat".

Hier lacht J.R. Ewing dreckig, wahrscheinlich hat er gerade wieder jemanden über den Tisch gezogen. In Kürze wird er grob zu seiner Frau Sue Ellen sein, die wiederum wahrscheinlich im Öl ist. Foto:corbis

Hier lacht J.R. Ewing dreckig, wahrscheinlich hat er gerade wieder jemanden über den Tisch gezogen. In Kürze wird er grob zu seiner Frau Sue Ellen sein, die wiederum wahrscheinlich im Öl ist. Foto:corbis© © Hulton-Deutsch Collection/COR Hier lacht J.R. Ewing dreckig, wahrscheinlich hat er gerade wieder jemanden über den Tisch gezogen. In Kürze wird er grob zu seiner Frau Sue Ellen sein, die wiederum wahrscheinlich im Öl ist. Foto:corbis© © Hulton-Deutsch Collection/COR

Machiavellistische Balance
Seither gehören solche Cliffhanger als Methode, das Fernsehpublikum über die Sommerpause an sich zu binden, zur Serien-Tagesordnung. "Dallas" hat die Maßstäbe gesetzt. Die Frage "Who shot J.R." ist in der Popkultur als Stehsatz etabliert: In unzähligen anderen TV-Serien wurde sie zitiert, von der Sitcom "Friends" bis zu den "Simpsons". Die wiederum haben sogar eine eigene Folge, die der Kulturleistung von "Dallas" Tribut zollt: In "Who shot Mr. Burns" wird der "Simpsons"-eigene Fiesling Mr. Burns als Hommage angeschossen.

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Schlagwörter

Fernsehen, TV, Kapitalismus, Dallas

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2011-07-06 17:15:06
Letzte Änderung am 2011-07-07 18:36:16


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