David Montgomery epa
David Montgomery epa

Im Kampf gegen den Verkauf der "Berliner Zeitung" hatten ihre Mitarbeiter die Heuschrecke als Symbol für drohenden Kahlfrass zu ihrem "Wappentier" erhoben. Die Mitarbeiter fürchten nach dem Verkauf an die Angelsachsen Stellenstreichungen und Qualitätsverlust für ihr Blatt. Geschäftsführer Michael Grabner von der Stuttgarter Holtzbrinck-Gruppe ("Die Zeit", "Handelsblatt") liess sich jedoch nicht erweichen.

Die Investmentgesellschaft Veronis Suhler Stevenson (VSS) aus den USA und die britische Mecom von David Montgomery zahlen nach Einschätzung der britischen Zeitung "Independent" knapp 148 Millionen Euro für den Berliner Verlag, in dem neben der "Berliner Zeitung" noch der "Berliner Kurier" und die Zeitschrift "tip" erscheinen.

Montgomery trat am Dienstag Befürchtungen der Belegschaft entgegen. "Wir werden die stolzen Hüter der Publikationen des Berliner Verlags sein und die höchsten Standards journalistischer Qualität, verlegerischer Integrität und guten Managements einhalten." Dies sagte Montgomery bei der Bekanntgabe des Geschäfts in Berlin.

Harter Sanierer

Der 56-Jährige gilt als harter Sanierer. Montgomery bat den Chefredakteur der "Berliner Zeitung", Uwe Vorkötter, auf seinem Posten zu bleiben. Vorkötter hatte sich noch vor wenigen Tagen in ungewöhnlich scharfer Form gegen den Verkauf gewandt.

Der Berliner Verlag soll nach den Vorstellungen David Montgomerys eine Plattform für ein weiteres Engagement in deutschen Regionalzeitungen werden. Uwe Böge, Präsident des deutschen Bundeskartellamts, hat allerdings Bedenken gegen eine solche Kette aus Sicht des Wettbewerbsschutzes angemeldet. Die Behörde muss dem Verkauf der "Berliner Zeitung" noch zustimmen.

Kurz vor dem Abschluss des Geschäftes waren Irritationen aufgekommen, als die britische 3i-Gruppe in letzter Minute aus dem Bieter-Triumvirat mit VSS und Mecom ausscherte. Offenbar waren Differenzen zwischen Montgomery und Stephan Krümmer der Grund, der nach mehreren Jahren beim Bertelsmann Verlag seit Februar dieses Jahres das Deutschland-Geschäft von 3i leitet. Beruhigen dürfte die Mitarbeiter des Berliner Verlags, dass mit dem ehemaligen Gruner + Jahr-Vorstandschef und Ex-Bertelsmann-Aufsichtsratsvorsitzenden Gerd Schulte-Hillen ein bekennender Freund der "Berliner Zeitung" in den Aufsichtsrat des Verlags einzieht.

Untersagter Kauf

Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck hatte das zu DDR-Zeiten volkseigene Hauptstadt-Blatt von Gruner + Jahr (Bertelsmann-Gruppe) vor dreieinhalb Jahren übernommen. Doch das Bundeskartellamt untersagte den Kauf, da Holtzbrinck mit dem "Tagesspiegel" (Auflage 130.000 Exemplare) noch eine zweite seriöse Tageszeitung in der Hauptstadt gehört.