Interkulturelle Prozesse: Sprachliche Minderheiten fänden im Offenen Kanal ein Forum. Offene Kanäle seien ein idealer Katalysator um Toleranz und Verbundenheit zwischen den verschiedenen Sprachgruppierungen zu fördern. Dies gelte nicht zuletzt auch für grenzüberschreitende Kooperationen zwischen mehreren Ländern.

Verbesserung der Kommunikationsstrukturen: Die Architektur der urbanen Ballungsräume und die Anonymität in den Großstädten verlangten nach neuen Kommunikationsstrukturen. Die Revitalisierung des Dorfplatzes, davon sind die Studienautoren Schütz, Altendorf und Stachl überzeugt, könne nur in Kontaktzentren gelingen, die den Ansprüchen in der modernen Mediengesellschaft genügten. Offene Kanäle verbesserten die Nachbarschaftskommunikation.

Demokratisierungseffekte und politische Bildung: Politische Bildung diene der Ausbildung eines reifen Demokratieverständnisses. Der Offene Kanal könne zu einem Katalysator in der Entwicklung von politischem Interesse werden - und politische Bildung erhielte so ein neues Gesicht.

Offene Kanäle als Motivation: Durch den Einsatz Offener Kanäle ergäben sich zahlreiche Multiplikatoreffekte, etwa bei Aktivitäten von Vereinen. Offene Kanäle seien ebenso eine Chance für junge Künstler, Theatergruppen, Literaten, um ihre Werke in der Öffentlichkeit des Nahbereichs vorzustellen. Schließlich habe der Offene Kanal Fernsehen einen wesentlichen Vorzug gegenüber dem Medium Radio. Video, das von der Bildsprache dominiert wird, sei für einen größeren Prozentsatz der Bevölkerung attraktiv und damit auch didaktisch einsetzbar. Radio hingegen lebe von der verbalen Artikulation, was oftmals zu Hemmschwellen und Problemen führe und damit den Nutzerkreis massiv selektiere - sieht man von Sendungen ab, in denen ausschließlich Musik abgespielt werde. Unser gesellschaftliches Umfeld aber sei nun einmal vom Bildmedium Fernsehen geprägt, so dass eine medienpädagogische Arbeit primär hier anzusetzen habe.

Vorläufer webfreetv

Die Idee "Fernsehen von und für die Bewohner einer Stadt" wurde in Wien schon vor zwei Jahren - für TV im Internet - von webfreetv.com aufgegriffen. Usern wurde dabei das Studio im Flagshipstore auf der Mariahilferstraße gratis zur Verfügung gestellt. Interessenten erhielten die Möglichkeit, 20 Minuten Rohmaterial mit Hilfe eines Kamermanns aufzunehmen (bis zu zwei Stunden) und anschließend mit einem Cutter einen Beitrag zu gestalten (bis zu drei Stunden). Der fertige Clip in einer Länge von 3 bis 4 Minuten konnte dann auf dem Themenkanal YOUR TV ausgestrahlt und von allen Usern weltweit gesehen werden.

Das Projekt scheiterte aber - in erster Linie wohl wegen des Mediums - TV im Internet - und wegen der von den Betreibern zu eng gesteckten Produktionszeiträume.

Es gibt allerdings im Kleinen schon einen "Offenen Kanal" in Wien, der auf ein Projekt in einem Wiener Gemeindebau beschränkt ist: Das "Wohnpark TV" in Alt Erlaa, eine Art "Bassena-Fernsehen", das über Telekabel eingespeist ist.

Zur Struktur

Offener Kanäle

Bei Offenen Kanälen handelt es sich um lokale Medien. Die Sendungen werden in einer Stadt, einem Stadtteil oder einer Gemeinde ausgestrahlt. Jeder, der innerhalb der jeweiligen Gebietsgrenzen wohnt oder arbeitet, hat demnach das Recht, dass seine Beiträge im Offenen Kanal ausgestrahlt werden.

Auch die Infrastruktur, die für die Produktion der Sendungen benötigt wird, wird gratis zur Verfügung gestellt - dazu gehören Videokameras, Schnittplätze, sowie - für Liveübertragungen - ein Studio mit Mehrkameratechnik und Bildregiepult. Kommunikationsassistenten stehen den Nutzern mit Rat und Tat zur Seite. Sie geben Hilfestellung bei technischen und dramaturgischen Fragen, nehmen aber keinen Einfluss auf die inhaltliche Gestaltung. Die Verantwortung für den Inhalt einer Sendung verbleibt zur Gänze beim Nutzer. Selbstverständlich darf dabei nicht gegen bestehende Gesetze verstoßen werden. Kommerzielle Werbung ist untersagt, das Urheberrecht bei Bild und Ton ist zu beachten.

Größtmögliche thematische Offenheit ist beim "Bürgerfernsehen" oberstes Prinzip. Daher ist es zur Gänze den Vereinen, Organisationen und Bürgern vorbehalten, mit welchen Anliegen und Themen sie in die Öffentlichkeit treten wollen.

Ein noch ungelöstes Problem ist in diesem Zusammenhang die Haftung für das "Bürgerfernsehen", Üblicherweise haftet dabei der Produzent der Beiträge, während das österreichische Mediengesetz von der Haftung des Betreibers (Providers) ausgeht.

first come/first served

Im klassischen Modell des Offenen Kanals werden die Sendungen in der Reihenfolge des first come/first served - auch Warteschlangenprinzip genannt - ausgestrahlt. Dabei gibt es kein Programmschema und keine redaktionelle Entscheidung, sondern wer als erster einen fertigen Beitrag einreicht, kann auch als erster aus den noch freien Sendeplätzen wählen. Fallweise kann diese Regelung ergänzt werden - so ist es manchmal erwünscht, aktuelle Beiträge vorzuziehen oder für diese feste Sendezeiten einzurichten.

Studienautor Johannes Schütz plädiert für eine möglichst schlanke Struktur. Mit rund zehn ständigen Mitarbeitern sollte ein Offener Kanal betrieben werden können - am besten in der Organisationsform eines Vereins. Falls in der Anfangsphase dennoch die Stadt hier einspringen sollte, wäre jedenfalls auf strikte politische Unabhängigkeit zu achten.

Kontakt zum "Arbeitskreis Offene Kanäle Österreich" (AOKÖ): Veithgasse 4/4a, 1030 Wien (Obmann: Johannes Schütz) johannes.schuetz@offener-kanal.at .