Hier will Feiger, die sich bei der Wahl der Beiträge vor allem auf Agenturmeldungen und einen Pool freier Autoren stützt (aus Kostengründen gibt es keine angestellten Redakteure), zu einem ausgewogeneren Israelbild in Österreich beitragen. "Die meisten österreichischen Medien haben eine klare Schlagseite - was sich nicht nur in den Kommentaren, sondern auch in der Titelgestaltung ausdrückt."

Dazu Böhme: "Wir haben eine Grundsolidarität mit dem jüdischen Staat - aber nicht unbedingt mit der Regierung." Hier könne ein Beitrag durchaus auch einmal kritisch ausfallen. Wichtig ist Böhme allerdings, dass auf den beiden Israelseiten berichtet wird, was im Land so passiert, wie etwa mit Flüchtlingen umgegangen wird, dass Armut ein Thema ist. Der Nahostkonflikt dagegen ressortiert in die Politikseiten.

Die "Jüdische Allgemeine" ist die einzige jüdische Wochenzeitung Deutschlands. Sie existiert seit 1946, war zunächst nur Mitteilungsblatt und entwickelte sich nach und nach zur Zeitung. In Deutschland erscheint zudem die "Jüdische Zeitung", ein explizit Zentralrats-kritisches Monatsblatt, das im Zug der Finanzkrise zwischenzeitlich eingestellt wurde, nun aber wieder da ist.

Der jüdische Medienmarkt in Österreich ist durchaus vielfältig: Neben der "Gemeinde", die 1948 gegründet wurde und seit 1958 regelmäßig erscheint, gibt es u.a. das vierteljährlich erscheinende Magazin "NU", das kürzlich sein zehnjähriges Bestehen feierte, die Kulturzeitschrift "David" (erscheint einmal im Quartal), die "Illustrierte Neue Welt" (wird alle zwei Monate herausgebracht, das Vorgängermedium "Welt" war von Theodor Herzl gegründet worden) sowie das einmal jährlich erscheinende "Das Jüdische Echo".

In der deutschsprachigen Schweiz ist "Tachles" mit einer Auflage von 6000 Stück die auflagenstärkste jüdische Zeitung. Sie erscheint wöchentlich und wurde 2001 als Nachfolgeprodukt der "Jüdischen Rundschau" und des "Israelitischen Wochenblatt" gegründet, so Chefredakteur Yves Kugelmann. Im Unterschied zur "Jüdischen Allgemeinen" erhält diese Publikation keine Finanzierung durch jüdische Organisationen. "Die Jüdische Medien AG und ihre Produkte (neben dem Tachles ist dies die Revue Juive und das Monatsmagazin Aufbau) finanzieren sich über den Markt. Man ist unabhängig."

Auch der "Tachles" bietet Berichte, Interviews, Hintergrund und Kommentare quer durch die verschiedenen Ressorts - aus der jüdischen Perspektive. Die Mannschaft des "Tachles" besteht aus einer Stammredaktion mit acht Redakteuren in Zürich und Basel sowie Korrespondenten. Die Stärken des "Tachles"? "Kompetente JournalistInnen, journalistische Unabhängigkeit, keine ideologischen Selbst- oder Auflagen von außen", sagt Kugelmann. In der Schweiz gibt es zudem noch eine Wochenzeitung für die Orthodoxie: "Die Jüdische Zeitung".