Wien.  Alexander Wrabetz ist am Dienstag erwartungsgemäß als ORF-Generaldirektor bestätigt worden. Beim Wahlgang am Nachmittag Uhr erhielt er 29 von 35 Stimmen im ORF-Stiftungsrat und somit eine satte Mehrheit.

Sechs Stiftungsräte enthielten sich der Stimme. Nach dem langjährigen General Gerd Bacher ist Wrabetz erst der zweite Amtsinhaber an der Spitze des Öffentlich-Rechtlichen, dem eine Wiederwahl gelingt. Seine zweite Amtsperiode erstreckt sich von Jänner 2012 bis Dezember 2016.

Das neue Direktionsteam wird im September bestellt, der Stiftungsrat beschließt am Dienstag die entsprechende Ausschreibung. Einige Namen wie etwa jener von Richard Grasl, Kaufmännischer Direktor, sowie Karl Amon (Radio), gelten bereits als fix.

ÖVP-Stiftungsräte enthielten sich mehrheitlich der Stimme

Die Enthaltungen beim ORF-Wahlgang am Dienstag kamen vom unabhängigen Stiftungsrat Alexander Hartig und fünf Stiftungsräten aus dem Kreis der ÖVP, namentlich Franz Medwenitsch, Bernadette Tischler, Gerhard Tötschinger, Rainer Rößlhuber und Franz Krainer. Gegenkandidat Christian Wehrschütz erhielt kein einziges Votum. Im Jahr 2006 war Wrabetz mit 20 Stimmen zum ORF-Chef gekürt worden.

ÖVP-"Freundeskreis"-Leiter Franz Medwenitsch gab sich vor der Sitzung nach wie vor über die Absage von RTL-Geschäftsführer Gerhard Zeiler enttäuscht: "Wir haben uns um den besten Bewerber bemüht, aber ihn aus bekannten Gründen nicht bekommen".

Vom roten "Freundeskreis" hat Wrabetz 15 Stimmen bekommen. "Freundeskreis"-Leiter Niko Pelinka meinte vor der Sitzung: "Ich glaube, dass Alexander Wrabetz eine gute Wahl ist und dass er mit breiter Mehrheit gewählt wird. Das ist gut fürs Unternehmen." Mit je einer Stimme konnte der Amtsinhaber von den Vertretern der FPÖ, der FPK, des BZÖ und der Grünen rechnen. Auch zwei der drei unabhängigen Stiftungsräte haben für den Amtsinhaber votiert. FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger meinte dazu: "Ich habe mit FPÖ-Obmann Heinz Christian Strache ausgemacht, dass ich frei nach meinem Gewissen entscheiden kann und er im Gegenzug die Freiheit hat, einen neuen Stiftungsrat zu bestimmen."

Gute Laune beim Hearing

Vor der Abstimmung fand noch das Hearing statt, dem sich neben Wrabetz auch ORF-Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz stellte. Den Anfang machte - nach Los-Entscheidung - Wrabetz, der sich gegen 10.10 Uhr zum Sitzungssaal durch einen Pulk von Journalisten und Kameraleuten vorkämpfen musste. Nach dem Hearing  zeigte sich Wrabetz zufrieden. Die Befragung durch den Stiftungsrat dauerte rund zweieinhalb Stunden, Wrabetz sprach von einer "ganz ausgezeichneten Diskussion". Man habe "ganz viele wichtige Fragen" besprochen, insgesamt habe es rund 20 Wortmeldungen gegeben.