Wien. Karl Amon darf sich als Radiodirektor bereits auf eine weitere Amtszeit im Direktorium Alexander Wrabetz II einstellen, nachdem ihm dieser bereits einen fixen Platz in seinem neuen Team eingeräumt hat. Für die private Konkurrenz sieht er sich gewappnet, wie er im Interview mit der APA sagte. "Die Marktmacht ist zu halten", meint Amon. Allerdings müsse die Flottenstrategie geschärft werden.

Kinderradio kommt

In der nächsten Amtsperiode will Amon außerdem ein Kinderradio starten. "FM4 wäre falsch positioniert, wenn wir an FM4 den Anspruch stellen, sie sollen auch die unter 12-Jährigen mitnehmen. Fazit: Die unter 12-Jährigen haben kein Radio. Deshalb bin ich der Meinung, dass wir Kinder-und Jugendradio machen müssen. Internationale Beispiele wie das Berliner Radio 'Teddy' zeigen, dass das notwendig und auch erfolgreich ist."

Verbreiten will Amon den neuen Sender digital, entweder über den Äther oder das Web: "Entweder auf einer digitalen Frequenz beim kommenden digitalen Probebetrieb. Wenn das nicht der Fall ist, wäre Kinderradio fast punktgenau für diese Zielgruppe im Internet angesiedelt. Damit hätten wir auch kein Frequenzproblem."

"Handlungsbedarf"

Ausbauen will Amon auch das Radiosymphonie Orchesterm und es "auf ökonomisch gesunde Beine stellen." Demnach sollen die RSO-Strukturen schlanker und transparenter werden und die Verträge mit den Konzertveranstaltern würden neu verhandelt.

Im jüngsten Radiotest sah man die drei nationalen Sender Ö3, Ö1 und FM4 "in unterschiedlicher Stärke sehr, sehr gut abschneiden", so Amon. Trotzdem sieht er Handlungsbedarf. "Die Summe der Regionalradios hat dieses Mal etwas nachgegeben, aber auch das ist eine temporäre Erscheinung." Das Gegenrezept für den ORF: "Wenn wir die Flottenstrategie wieder ernst nehmen und die Regionalradios weniger im Feld von Ö3 grasen, dann wird mein Plan, die Marktmacht und die Marktstellung zu halten, möglich sein." Erste Ergebnisse lieferte der Radiotest außerdem über die Ö1-Reform, die für Amon damit "geglückt" ist. "Die guten Quoten, die wir bei Ö1 haben, die wirklich sensationell sind, gehen auch auf die Reform zurück."

Die Zusammenarbeit zwischen Radio und dem neuen Sparten-TV-Kanal ORF III, der auf Kultur und Information spezialisiert sein wird, soll nicht nur Ö1 umfassen, so Amon. "Es gibt auch die Möglichkeit, beispielsweise FM4-Formate zu senden. Der Kulturauftrag des ORF gilt ja auch für die jüngeren Segmente."

Kritik an GIS

Kritisch sieht er außerdem den Diebstahl von 214.000 Datensätzen durch eine Hackergruppe bei der Gebühreninfoservice (GIS). "Kriminalität gibt es leider in unserem Leben und wahrscheinlich ist man nie 100-prozentig geschützt gegen kriminelle Aktionen. Aber so etwas darf trotzdem nicht passieren und es muss Sicherheit für unsere Kunden geschaffen werden."