• vom 12.08.2010, 17:03 Uhr

Medien

Update: 04.01.2011, 16:54 Uhr

Vor 55 Jahren glaubte niemand daran, dass die Television den Alltag der Menschen nachhaltig ändern würde

Fernsehen, Zähneputzen, Schlafen




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Von Ina Weber

  • 55 Jahre Fernsehen in Österreich.
  • Schon damals wurde über das TV-Programm geschimpft.
  • Erste Sendung: "Ist das Fernsehen eine Gefahr für die Presse?"
  • Wien. "Ich kenne Kleinkinder, deren Tagesablauf sich nach dem Betthupferl richtet, - Schnell, schnell, Handi waschen, gleich kommt das Betthupferl - und Mütter, die mit wehenden Haaren und holpernden Kinderwagen vom Spielplatz heimeilen, damit die lieben Kleinen die Familie Feuerstein nicht versäumen", schreibt die Journalistin Erika Molny am 5. August 1975 in der "Wiener Zeitung".
  • Kommentar ,Fernsehen - ein Sechstel des Tages´

Schon damals schien vielen Beobachtern klar zu sein, was das Medium Fernsehen seit seiner Geburtsstunde im August 1955 vermochte: Es wurde über Nacht zum Alltag wie das Zähneputzen und der Kaffee am Morgen.


Am 1. August 1955 um 17 Uhr strahlte der Sender Kahlenberg die erste Sendung aus. Fernsehgeräte in den Haushalten gab es nicht, und so pressten zahlreiche Neugierige ihre Nasen an die Auslagenscheiben von Radiogeschäften, die einen Fernsehempfänger angeschlossen hatten.

"Zuerst wurden einige Landschaftsbilder gezeigt, zu denen Musik erklang. Dann erschien auf dem Bildschirm das Zeichen des österreichischen Rundfunkfernsehens, der Stephansdom mit dem österreichischen Wappen und einer Schleife, auf der der Name Österreich stand. Als musikalische Untermalung war der Donauwalzer zu hören", berichtete die "Wiener Zeitung" über das Ereignis. Die Sprecherin Franziska Kalmar kündigte die erste Sendung an: den musikalischen Film "Egmont-Ouvertüre". Es folgte eine Besprechung "Am runden Tisch". Vier Wiener Chefredakteure diskutierten unter dem Vorsitz des damaligen Rundfunk-Programmdirektors Rudolf Henz über das neue Medium und die Frage, ob das Fernsehen nun die Print-Presse zerstören könne und werde.

Fernsehgrößen in den Wohnzimmern der Österreicher: die erste TV-Moderatorin Franziska Kalmar, Heinz Conrads, Hugo Portisch, Edith Klinger und Robert Hochner. Foto: apa

Fernsehgrößen in den Wohnzimmern der Österreicher: die erste TV-Moderatorin Franziska Kalmar, Heinz Conrads, Hugo Portisch, Edith Klinger und Robert Hochner. Foto: apa Fernsehgrößen in den Wohnzimmern der Österreicher: die erste TV-Moderatorin Franziska Kalmar, Heinz Conrads, Hugo Portisch, Edith Klinger und Robert Hochner. Foto: apa

Die Diskussion und die öffentlichen Berichte darüber schliefen jedoch bald wieder ein, und Österreich begann sich still und leise ans Fernsehen zu gewöhnen. Das Programm, welches anfangs nur ein paar Stunden dauerte, wurde mit der Zeit ausführlicher, und so beanspruchte es in der "Wiener Zeitung" unter dem Titel "Leinwand und Bildschirm" am 3. Juli 1965 bereits eine ganze Seite.

Programm für die Familie: Modische Handarbeiten

Montag bis Freitag gab es um 19.30 Uhr die "Zeit im Bild" zu sehen, um 17.25 Uhr "Lassie" für Kinder, um 17.50 Uhr Programm für die Familie: "Modische Handarbeiten", um 18.20 Uhr "Das Betthupferl" und am Samstag um 18.33 Uhr "Was sieht man Neues?" von und mit Heinz Conrads.

Im Jahr 1966 standen in den österreichischen Haushalten bereits 700.000 Fernsehgeräte. Die neue Errungenschaft hatte nicht nur für Wirtschaft und Politik große Bedeutung, sondern auch das soziale Leben innerhalb der Familie veränderte sich. Die Familie rückte wieder - zumindest örtlich - näher zusammen. Der Vater und Ehemann ging abends nicht mehr so oft ins Wirtshaus, sondern trank sein Bier bei "Guten Abend am Samstag ... sagt Heinz Conrads" im Kreis seiner Lieben. Fernsehen wurde zum Familienereignis. "Erkennen Sie die Melodie", "Die Schöngrubers" wurden zur gemeinsamen Geschichte in den 70er Jahren, gefolgt von "Pan-optikum", "Ohne Maulkorb", "Am dam des", "Die Sendung mit der Maus", "Der knallrote Autobus".

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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2010-08-12 17:03:00
Letzte Änderung am 2011-01-04 16:54:00

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