Schon damals wurde aber auch über das Fernsehen und sein Programm geschimpft. So hörte Journalistin Molny im Jahr 1975 nicht nur einmal den Ausspruch: "Das Fernsehprogramm wird a alleweil schlechter". Das Fernsehen begann das Leben der Menschen zu beherrschen: "A Mensch, der mi während der Zeit im Bild anruft, is für mi ka Mensch." Die Telefonanrufe um 19.30 Uhr halten sich auch heute noch in Grenzen - und sind vor allem bei der älteren Generation nicht erwünscht.

Die 80er Jahre brachten "Österreich heute", "Bitte zu Tisch", "Trailer", "Dalli Dalli", "Helmi", "Perrine", "Die Fraggles", "Die Waltons", "Seniorenclub", "Club 2", "Die großen 10" mit Udo Huber und "Okay", das Jugendmagazin. Diese Sendungen bekamen ihren fixen Platz im Alltag: Nach "Die Fraggles" wird zähnegeputzt, nach den "Waltons" heißt es "Gute Nacht" und vor "Dalli Dalli" wird noch schnell gegessen.

Zum Fernsehen gab es wenig Freizeitalternativen

Der Wohlstand der Gesellschaft wuchs und damit auch das Ausmaß der Freizeit und, wie Kommunikationswissenschafter Wolfgang Langenbucher im Jahr 1985 zum 30-jährigen Fernseh-Jubiläum schrieb, gelte für sehr viele Menschen, "dass es zum Fernsehen wenig Freizeitalternativen zu geben scheint, die vergleichbar attraktiv und vor allem ebenso preiswert sind". "Die strenge Programmfolge von Hörfunk und Fernsehen geben unserem Alltag eine stabile Zeitordnung, wie einst der Morgensegen und das Nachtgebet." Doch schon damals wies Langenbucher darauf hin, dass sich neue Freizeitaktivitäten ausbreiten und es nicht mehr lange dauern würde, bis das Zeitalter des Computers "unseren Arbeitstag in der Zukunft prägen wird, wie das Fernsehen in der Vergangenheit".

Mittlerweile wurde aus den anfänglichen 12-Stunden-Programm pro Woche ein tägliches Rund-um-die-Uhr-Programm. Und das Fernsehen bleibt neben der Arbeit ein großer Zeit einteilender Faktor. Den Alltag der 90er Jahre versüßten Fixgrößen wie "MacGyver", "Raumschiff Enterprise", "Kommissar Rex", "Die Piefke-Saga" oder "Willkommen Österreich".

"Österreicher sehen 2,5 Stunden pro Tag fern

Die TV-Nutzung stieg in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt um insgesamt eine halbe Stunde an. 2009 sahen die Österreicher (ab 12 Jahren) pro Tag im Schnitt 153 Minuten fern, das sind 2,5 Stunden. Bei der Kenngröße TV-Nutzungszeit handelt es sich allerdings um einen Durchschnittswert, in den auch jener Teil der Bevölkerung einberechnet wird, der an einem bestimmten Tag nicht ferngesehen hat.

Tag für Tag erreicht das Medium Fernsehen im Schnitt über 60 Prozent der Österreicher. Die Verweildauer, das ist die Nutzungszeit der an einem Tag jeweils fernsehenden Bevölkerung, beträgt dabei sogar über vier Stunden. Dabei spielt bei der Dauer des Konsums das Alter eine Rolle. Prinzipiell gilt: Je älter, umso mehr wird auch ferngesehen. So liegen Kinder und junge Erwachsene mit 69 beziehungsweise 84 Minuten pro Tag Sehdauer weit unter den etwa über 60-Jährigen mit sogar fast vier Stunden.

Während Senioren das Fernsehprogramm oft als Zeitvertreib begrüßen, nutzen viele Eltern das TV-Gerät -oft schon in den Morgenstunden - als günstigen Babysitter. Ein Alltag ohne Fernsehen - das wäre für viele wie ein Leben ohne Zähneputzen und Schlaf.