• vom 28.09.2011, 17:53 Uhr

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Update: 28.09.2011, 17:54 Uhr

ORF

Kinder, wo seid ihr?




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Von Ina Weber

  • Der ORF plant ein neues Kinderfernsehen - nur nicht im ORF
  • "Österreich-Fenster" auf Kika angedacht.
  • ORF-Kinderradio ab Jänner 2012.

Elitär: Der neue von Gottfried Kumpf gestaltete Kasperl - mit Mascherl - lebt in einer Villa. - © ORF

Elitär: Der neue von Gottfried Kumpf gestaltete Kasperl - mit Mascherl - lebt in einer Villa. © ORF

Wien. "In der Früh wird nicht ferngesehen." Was für Eltern oft die erste Regel des Tages an ihre Kinder ist, gleicht einem Knock-out für das Kinderprogramm im ORF. Denn dieses wird vor allem für die Kleinsten nur in der Früh abgespielt. Den Kasperl um sieben Uhr Früh gibt es für viele Kinder nicht zu sehen. Auch wenn die Fernseh-Regel nicht gilt, wird in den Kindergarten gegangen oder die Kinder schlafen noch.


Seit den 1970er Jahren, als das Kinderprogramm in seiner Hochblüte stand, hat sich viel getan. Die Nachmittage und frühen Abende, an denen Kindersendungen wie "Am dam des", "Biene Maja", die "Mini Zib" oder das "Betthupferl" auf dem Programm standen, liefen langsam aus, Jahrzehnte später findet sich an diesen Sendeplätzen nur noch Programm für Erwachsene: Nachrichten, Serien oder Service-Magazine. Die schlechtesten Sendeplätze, inklusive Samstag Vormittag, wenn die Familie meist einkaufen geht, blieben den Kindern vorbehalten.

Alle landen bei Kika
Für die Kleinen macht es allerdings noch keinen Unterschied, wo sie ihr Kinderprogramm konsumieren, und so weichen alle Eltern, die ihren Kindern ein Spätnachmittags- oder Frühabend-Programm gönnen wollen, auf andere Sender aus: Allen voran steht der deutsche Kinderkanal "Kika", gegründet von ARD und ZDF, gefolgt von Super RTL und dem stark wachsenden US-amerikanischen Sender "Nick" mit über 30 Ablegern weltweit.

Die "Prime Time" der Kinder ist laut Maya Götz, Leiterin des deutschen Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI), nach wie vor 19 Uhr. Mit dem "Sandmännchen" auf Kika können die Kinder zur Ruhe kommen. Mit der Zeit wurde aus der "Stunde am Nachmittag" ein Kinderprogramm in der Früh. "Wenn die Mama ihr Schulkind fertig macht, ist es für sie eine Erleichterung, wenn das Vorschulkind inzwischen fernsehen kann", sagt Götz. Letztendlich, meint die Forscherin, ginge es aber um Quote und Geschäft. Kinder sind zahlenmäßig zu wenige und mit Kinderprogramm lasse sich eben kein Geld machen, und so wird es entweder auf schlechte Sendeplätze gepackt oder ausgelagert.

Auch ORF-Chef Alexander Wrabetz will nun auf den Kinderkanal ausweichen. Er kündigte an, die Kooperation mit Kika zu vertiefen und hat ein "Österreich-Fenster" in Aussicht gestellt. Damit hätte der ORF einen weiteren Spartenkanal. Allerdings steht die Frage im Raum, ob die Auslagerung das endgültige Ende des Kinderprogrammes auf ORF bedeuten könnte. Immerhin hat die Geschäftsführung bereits angekündigt, ein neues Frühstücksfernsehen einführen zu wollen. Damit könnten wohl weitere Werbeminuten lukriert werden. Denn das Kinderprogramm darf ja keine Werbung enthalten.

Den werbefreien Kika gibt es seit nun fast 15 Jahren. Er liefert Programm für die 3- bis 13-Jährigen. Die Sendungen sind im Internet oder über Videotext mit Symbolen gekennzeichnet, damit Eltern wissen, welche Sendung für welches Alter passt. Ein wichtiger Hinweis für gewissenhafte Eltern, den der ORF allerdings bei seinem Programm missen lässt. "Vorschüler sind mit dem Programm oft überfordert. Es ist oft viel zu schnell", gibt Götz zu bedenken. Hat der ORF den Kasperl, zeigt Kika "Die Sendung mit dem Elefanten".

Und dabei ist das zum Teil eigens produzierte österreichische Kinderprogramm namens "Okidoki" mit Autor Thomas Brezina sehr erfolgreich. Laut ORF sind 32 Stunden Kinderprogramm pro Woche zu sehen, 16 davon sind selbst produziert. Auch ein Kinderradio soll 2012 produziert werden. Für ORF-Hörfunk-Chef Karl Amon ist "die junge Zielgruppe sträflich vernachlässigt".

Wo der Nachwuchs in Zukunft mit der Fernbedienung landen wird, hat letztlich wohl auch mit einer medialen Bindung im Kindesalter zu tun. Wie wichtig dem ORF ein Kinderprogramm als Teil des öffentlich-rechtlichen Auftrags ist, wird in Zukunft an Raum und Zeit, die den Kindern zur Verfügung gestellt wird, zu messen sein. Für Götz ist allerdings klar, auch in Österreich wäre "sehr viel mehr möglich". "Wenn man ein Kinderfernsehen haben möchte, dann könnte man dies auch machen."




Schlagwörter

ORF, Kinderfernsehen, Kinderradio

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2011-09-28 16:56:09
Letzte Änderung am 2011-09-28 17:54:46


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