Wien.

Lebende Kleidung.
Lebende Kleidung.
Eine bemerkenswerte Dokumentation über die Kunstrichtung BioArt bringt der ORF am Montag in seiner Reihe "Artgenossen" (22.30 Uhr). Regisseur und Produzent Robert Styblo zeigt Protagonisten, die mit ihrer Arbeit über ihre Grenzen gehen. Längst haben zahlreiche Künstler das Arbeiten im Atelier gegen das Forschen im Labor eingetauscht. Seither begleiten sie die Transformation der modernen Naturwissenschaften hin zu den Technosciences seismographisch. Oszillierend zwischen der Technisierung des Lebendigen in den Biowissenschaften und der Verlebendigung der Technik.

Die Entschlüsselung des Genoms einer ganzen Vielzahl von Spezies weckt seit Jahren sowohl Hoffnungen als auch Befürchtungen im Hinblick auf deren mögliche Manipulation. Dass der Mensch in bisher ungeahntem Ausmaß in den Lauf der Evolution eingreift, scheint keineswegs mehr bloße Utopie angesichts der Versuche der synthetischen Biologie, organisches Leben zu planen, zu gestalten und im Labor zu züchten. Die französische Biokünstlerin, Marion Laval-Jeantet, wagt ein lebensgefährliches Experiment, ihr Blut wird mit Pferdeblut gemischt. Thematisiert wird die zunehmende Auflösung von Artengrenzen. Unter den Gefahren, denen sich die Künstlerin ausgesetzt hatte, war die der Nitrifizierung, einer Stickstoffumwandlung, die zum Tod führen kann. Der Künstler Stelarc ist mit seinem "Ear on Arm" berühmt geworden. Sein in den linken Unterarm implantiertes Ohr hat ein eingebautes Mikrofon mit Livestream-Übertragung im Internet. Allerdings musste das Mikro wegen schlechter Heilungserfolge nach einem Jahr on air wieder entnommen werden. Paul Vanouse lässt die Gene seiner Eltern, seiner Schwester und seine eigenen in einem Rennen gegeneinander antreten. Die Wienerin Sonja Bäumel entwickelt mikrobiologische Bekleidungskonzepte und experimentiert mit Hautbakterien, die eine auf dem Körper wachsende, lebende Kleidung bilden können.