Wien.

Schauspieler Manuel Rubey als Lebenskünstler Francois Fauner.
Schauspieler Manuel Rubey als Lebenskünstler Francois Fauner.
Förderungsansuchen mit unsicherem Ausgang, Bitt-Briefe an TV-Stationen, hohe Produktionskosten, Abhängigkeit von Auftraggeber und Sponsoren - genau das wollten Drehbuchautor und Regisseur Georg Weissgram und Schauspieler Manuel Rubey eben nicht. Und so drehten sie ihre eigene Web-Serie ganz ohne finanzielle Rückendeckung.

"Fauner consulting" ist die Geschichte eines feschen Mittdreißigers, gespielt von Manuel Rubey, der ohne Geld und ohne Ausbildung mitten in Wien ein Institut für Lebensberatung eröffnet. Pro Folge gibt Chaot François Fauner einer Person Ratschläge in Notlagen und Notlügen.

Melancholische Komödie


Als klassische Komödie mit ernsten Untertönen will Weissgram seine Geschichte verstanden wissen. Sie sei aber kein Kabarett, betonte er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Doch wäre die Serie nicht österreichisch, wäre da nicht auch Melancholisches dabei. Geschichten entblättern Abhängigkeiten. Ein skurriles Sittenbild zeigt moderne Großstadtneurotiker.

Bloß eine Wohnung stand als Drehort zur Verfügung. Diese als Praxis zu verwenden lag nahe, meint Regisseur Weissgram. Die Lebensberatung entspreche auch dem Zeitgeist. "Heutzutage wird alles beredet. Man kann kaum noch leben ohne Entscheidungshilfe von außen."

Wenn Rubey, Simon Schwarz, Thomas Stipsits und Marion Mitterhammer aufeinander treffen, um nur einige im Team zu nennen, dann verspricht das niveauvolle Unterhaltung. Das gesamte Team arbeitet ohne Bezahlung. Zum einen "aus Leidenschaft", wie Produktionsassistent Simon Skina zur "Wiener Zeitung" sagt, zum anderen, weil sie alle den Beweis erbringen wollen, dass man mit "geringen Mitteln abseits traditioneller Vermittlungskanäle der heimischen Film- und Fernsehlandschaft originelle Serienunterhaltung bieten kann". Das für die Produktion benötigte Equipment brachte die Crew selbst mit.

Warum arbeiten Schauspieler, denen es nicht an Aufträgen mangelt, umsonst? Und stellen noch dazu den Beweis an, dass Qualität nichts kostet? "Eine heikle Gratwanderung", gibt Skina zu. Das Ziel müsse natürlich sein, dass alle an einem Film oder einer Serie Mitwirkenden wertgeschätzt und dementsprechend bezahlt werden. "Das Geld haben wir aber nicht und ins Fernsehen können wir auch nicht."

Künstlerische Freiheit


Die Serie sei vielmehr ein Versuch, in einem neuen Vermittlungskanal Fuß zu fassen. "Wir haben die Hoffnung, dass Web-Serien ihr Publikum finden und sich entwickeln werden", sagt Skina. Denn das Nutzungsverhalten der Medienkonsumenten habe sich verändert. Serien im Internet könnten an jedem Ort angesehen werden.

Die internationale Entwicklung zeigt, dass immer mehr Produktionsfirmen, Fernsehstationen oder Künstler ihre Film- und Serienprojekte im Web starten. Bekannte TV-Serien werden durch Web-Folgen erweitert. Internetplattformen beginnen ihre Serien zu produzieren. Google startet damit Anfang 2012.

Bis das Geschäft auch in Österreich gewittert wird, herrscht hierzulande im Web noch künstlerische Freiheit vor. Außer ATV mit seiner Web-Serie "Viva Proleta" wagte noch kaum jemand das Experiment. Aber wer weiß, vielleicht geht es den Machern von "fauner consulting" so wie Lisa Kudrow in der Serie "Web Therapy". Was als reine Web-Serie gestartet war, wurde schließlich vom US-Fernsehsender "Showtime" gekauft. Zu sehen sein, wird die Serie ab 22. November, immer dienstags um 20.15 Uhr auf www.fauner-consulting.at.