Wien.

Medienforschung und Fortbildung als Teil des Media Quarter St. Marx.
Medienforschung und Fortbildung als Teil des Media Quarter St. Marx.
Nur nicht langweilen, ist die Devise von Daniela Kraus, Geschäftsführerin der neuen Medien-Fortbildung im Mediaquarter St. Marx. Die ehemalige Leiterin des "Medienhaus Wien" hat sich der Forschung und Fortbildung im Journalismus verschrieben. Mit kommenden Jänner steht nun das Programm der Einrichtung, die als Verein konzipiert wurde und sich "Forum Journalismus und Medien Wien", kurz Fjum, nennt.

Blogger Richard Gutjahr (Bayrischer Rundfunk) wird in einem Seminar zeigen, wie man als Journalist im Web zur Marke wird, Chris Moran arbeitet derzeit am Aufbau der US-Ausgabe von "The Guardian" mit. Er wird Einsichten in die Social Media Strategie seiner Zeitung geben. Weitere Seminar-Themen sind: Journalismus im Netz, Bewegtbild im Internet - So bringen Sie Ihrer Webseite das Laufen bei, Von Facebook bis Twitter, von Google+ bis Tumblr: Journalistisch relevante Rechtsfragen des Web 2.0. Kamingespräche, Webinare und Diskussionsveranstaltungen werden laufend angeboten.

"Pay what you want"


Jeden zweiten Dienstag wird ein Webinar angeboten, für welches das Publikum selbst die Themen vorschlagen kann. Auch die Kosten werden von den Teilnehmern selbst bestimmt. "Jeder zahlt das, was für ihn das Webinar wert war", sagt Kraus im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Zum Thema "Crowdsourcing" wird Medienexperte David Röthler in Seminaren berichten.

Neben den einzelnen Fortbildungs-Seminaren bietet das Fjum seit Oktober den Masterstudiengang "International Media Innovation Management" (Imim) an. Der zwei Jahre dauernde berufsbegleitende Lehrgang ist ein Kooperationsprogramm mit der Deutschen Universität für Weiterbildung in Berlin. Der Lehrgang richtet sich an alle, die in Zukunft für Innovationen in Medienunternehmen sorgen wollen. Auch ein individuelles Sprachtraining ist im Lehrgang enthalten.

Der Studiengang kostet 40.000 Euro und besteht aus sechs einwöchigen Modulen, die in vielen Städten der Welt abgehalten werden. Die Lehrenden sind unter anderen Gerhard Zeiler (RTL-Group), Alan Rusbridger ("The Guardian"), Lucy Küng (Universität St. Gallen), Romanus Otte ("Welt Online"), Bill Horn ("New York Times"), Wolfgang Blau ("Zeit Online"), Vinzenz Wyss (Universität Winterthur), Nikolaus Forgó (Universität Hannover), Klaus Meier (Universität Eichstätt), Bill Mitchell (Poynter Institute), José García Avilés (Universität Elche), Gerhard Apfelthaler (Californian Lutheran Universität) und Matthias Karmasin (Universität Klagenfurt). Die Stadt Wien und die "Wiener Zeitung" vergeben Stipendien dafür.

Der Startschuss für eine qualitative Medienausbildung in Wien fiel schon im Jahr 2010, als die Stadt Wien beschlossen hat, aus den ehemaligen Schlachthöfen in St. Marx ein Media Quarter zu machen, beziehungsweise diese Immobilie "mit Hirnschmalz zu füllen", wie Kraus lachend meint. Neben dem Fjum samt Masterlehrgang wurde der FH-Bachelorstudiengang "Film-, TV- und Medienproduktion" an der Fachhochschule des bfi Wien ins Leben gerufen, eine Ausbildung zum Produzenten, Produktionsleiter oder Aufnahmeleiter.

Neben einem journalistischen Beirat sind etwa die Programmintendantin des Wiener Communitysenders Okto, Barbara Eppensteiner, und Klaus Meier, Journalistik-Professor an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, im Vorstand. Das Fjum finanziert sich aus Zuschüssen der Stadt Wien, Teilnehmerbeiträgen, Stipendien, Unternehmensbeiträgen und Sponsorenmitteln.

Das Fjum bietet keine journalistische Grundausbildung an. Dafür gibt es das Kuratorium für Journalistenausbildung (Österreichische Medienakademie) in Salzburg, das seit 1978 für die Aus- und Weiterbildung von Journalisten in Österreich zuständig ist.