Wien. Die Tageszeitung "Die Presse" löst ab Jänner völlig überraschend Teile ihrer Redaktion auf. Die derzeitige Führung der Zeitung will die Sportredaktion aus der Redaktion auslagern und die Inhalte auf den Sportseiten künftig von einer gemeinsamen Styria-Firma beliefern lassen. Diese soll aus drei der fünf "Presse"-Sportredakteure sowie Sportjournalisten aus den zur Styria Multimedia gehörenden Zeitschriften "SportWoche" und "Sportmagazin" bestehen. "Presse"-Chefredakteur Michael Fleischhacker bestätigte das Vorhaben auf Anfrage der APA.

Die gebündelte Redaktion, die in der Wiener Geiselbergstraße sitzen wird, soll auch überregionale Plattformen bespielen und Textaufträge von "nichtmedialen Kunden" bearbeiten, wie etwa von Sportartikelherstellern, "die auf ihren Webseiten auch Sportnachrichten haben wollen". Der erste Probebetrieb soll im ersten Quartal 2012 enden. Langfristiges Ziel ist laut Fleischhacker, dass man auch anderen Bundesländerzeitungen und Zeitungen aus dem eigenen Haus, wie etwa der "Kleinen Zeitung", die überregionale Sportberichterstattung anbietet - "Kooperationszwang" herrscht innerhalb der Styria aber nicht.

In der Branche sorgte das Vorhaben Fleischhackers für Empörung. Franz C. Bauer, Vorsitzender der Journalistengewerkschaft, kündigte im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" an, nicht zuzusehen "wenn die ,Presse hier eine Redaktion sprengt". "Das wäre die Auflösung von Redaktionen und somit der Tod der Zeitungen, wie wir sie kennen, da die Zeitungen dadurch ihren eigenständigen Charakter verlieren", warnte Bauer. Er geht davon aus, dass das Ansinnen scheitern wird. "Wir werden Widerstand leisten und alle zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen", kündigte Bauer an. Er ortet in dem Manöver einen "durchschaubaren Schritt zur Kollektivvertragsflucht" auch wenn die "Presse" Änderungen am KV ausschloss.

Pläne scheiterten bisher


Weitere redaktionelle Bündelungen über den Sport hinaus sind derzeit laut Fleischhacker prinzipiell denkbar. Das gelte allerdings nicht für den Markenkern einer Zeitung. Der Sport sei zwar wichtig, gehöre aber nicht zum strategischen Kern der "Presse" - "dort, wo das ebenfalls nicht der Fall ist, sind wir offen für mehr Qualität zu einem geringeren Preis".

Pläne, Teile der Redaktion auszulagern, gab es in der "Presse" schon länger. Vor allem der ehemalige Styria-Vorstandsvorsitzende Horst Pirker galt als großer Verfechter einer Ausgliederung von Teilen der Redaktionen in eine sogenannte "Content Engine". Entsprechende Vorhaben scheiterten jedoch bisher am Widerstand der Redaktion.