Wien. Eigentlich wollte die Journalistengewerkschaft in der GPA-djp mit dem Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) am Mittwoch eine weitere Verhandlungsrunde über den neuen Kollektivvertrag (KV) für Journalisten in Tages- und Wochenzeitungen führen. Allerdings konfrontierte die Gewerkschaftsseite, angeführt von ihrem Vorsitzenden Franz C. Bauer, die Herausgeber-Seite mit einer Resolution. Sollte der VÖZ sich nicht dezidiert gegen die geplante Ausgliederung der Sportredaktion bei der "Presse" wenden, würde die Journalistengewerkschaft die KV-Verhandlungen abbrechen.

"Presse"-Chefredakteur Michael Fleischhacker hatte im Dezember die Ausgliederung von drei der fünf Sportredakteure angekündigt - ähnlich den zahlreichen anderen Ausgliederungen, zuletzt im Grafikbereich.

"Die Presse" sei ein maßgebliches Mitglied des VÖZ und desavouiere mit der Vorbereitung zur Flucht aus dem Kollektivvertrag die laufenden Verhandlungen. Die Gewerkschaft sieht darin eine "Zerschlagung redaktioneller Strukturen" und einen "Anschlag auf die redaktionelle Unabhängigkeit".

Die Zeitungsherausgeber ihrerseits betonten, dass sie in die Planungen der "Presse" nicht eingebunden gewesen seien. Dennoch einigten sich VÖZ-Verhandlungsführer Hermann Petz und Bauer auf eine gemeinsame Erklärung: "Wir befinden uns in konstruktiven Gesprächen, es besteht das Ziel, einen Kollektivvertrag bis Jahresmitte auszuhandeln. Wir fordern alle VÖZ-Mitglieder auf, bis 1. 7. 2012 keine organisatorischen Maßnahmen zu treffen, die die originäre Wirkung des Kollektivvertrages außer Kraft setzen oder Parallelstrukturen zu den bestehenden Redaktionen errichten. In diesem Zusammenhang appellieren das KV-Verhandlungsteam des VÖZ und die Journalistengewerkschaft mit Nachdruck an die Tageszeitung ,Die Presse, diesem Aufruf zu folgen und die angekündigte Ausgliederung der Sportredaktion nicht durchzuführen."

"Presse"-Chefredakteur Michael Fleischhacker erklärte der "Wiener Zeitung", dass er der Aufforderung folgen wolle. "Ich werde bis zum Abschluss der KV-Verhandlungen, also bis 30. Juni, keine Ausgliederung durchführen." Fleischhacker betonte, dass sein Unternehmen nicht vorhabe, die seit April 2009 laufenden Verhandlungen über einen neuen Kollektivvertrag zu gefährden. Ob damit die Ausgliederung der Sportredaktion endgültig vom Tisch sei, wollte Fleischhacker allerdings nicht bestätigen.