Die konsumverwöhnten Kinder von damals wurden demnach via Fernsehen mit armen Kindern und harten Schicksalsschlägen konfrontiert. Für Psychologin Sandra Gerö haben solche Geschichten und Märchen auf die Entwicklung von Kindern dann einen positiven Einfluss, wenn es sich dabei um sogenannte Entwicklungsmärchen handelt. In diesen haben die Protagonisten meist eine schlechte Ausgangssituation, sind Waisen, Letztgeborene, leben mit bösen Eltern zusammen, leiden Hunger. "Im Laufe der Geschichte passiert eine Wandlung mit den jungen Helden, sie müssen Aufgaben bestehen oder es hilft ihnen ein Zauber, und am Ende werden die Bösen bestraft und es gibt ein Happy End", sagt Gerö. Dies sei bei Märchen der Brüder Grimm der Fall, während jene von Hans Christian Andersen nicht dazu gehörten. "Diese Geschichten nehmen eine zunehmend schlechte Entwicklung und enden meist mit dem Tod, wie ,Die kleine Meerjungfrau oder ,Das Mädchen mit den Schwefelhölzern." Sie erzeugen im Kind Angst und Hoffnungslosigkeit. Auch in einer Serie sei es daher wichtig, dass jede Episode ein kleines Happy End hat, das wieder Hoffnung und Mut schöpfen lässt.

Perrine (rechts) und ihr geliebter Hund Baron.
Perrine (rechts) und ihr geliebter Hund Baron.

Das Ausmaß an Entwicklungsgeschichten in der Blüte des österreichischen Kinderfernsehens war enorm. Allerdings galt es vor allem bei Perrine und Niklaas einen hohen Grad an Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit auszuhalten. Den Tod von Perrines Mutter konnten alle mitverfolgen. Hier gab es kein Happy End. Bei Niklaas musste gar die Titelfigur dran glauben - allerdings nur in der japanischen Version. Während dort Niklaas und sein Hund Patrasch am Ende sterben, versuchte die deutsche Fassung ein fröhlicheres Ende zu finden. Der Abspann, in dem Niklaas und Patrasch, die zu Weihnachten alleine in einer eiskalten Kirche am Boden zusammengekuschelt liegen, zum Himmel auffahren, sei lediglich ein Traum von Niklaas gewesen, wollte die deutsche Synchronisation vermitteln. Die Bilder brannten sich jedoch in die Kinderherzen und wirkten wohl stärker als die Stimme im Off.

"Heidi" ist geblieben

Die Zeit der traurigen Geschichten im Kinder-TV ging mit den 1990er Jahren allmählich zu Ende. Geblieben sind "Heidi" und die unbeschwerteren Erzählungen über "Wickie und die starken Männer" und "Die Biene Maja", die von 1972 bis 1979 von Nippon Animation in Zusammenarbeit mit ORF und ZDF entstanden. Kindern wird heute nicht mehr so viel Schwermut zugemutet. Ein lila Schwein namens Franz Ferdinand hat die großen Romane des 19. Jahrhunderts abgelöst. Den Kindern von damals wird freilich immer noch schwer ums Herz, wenn sie Perrine auf YouTube singen hören: "Baron, kleiner Hund, du bist frech und kommst nie, wenn ich rufe."