Wien. (b.j.): "Unter Gerd Bacher wäre Armin Wolf schon weg gewesen", meinte SPÖ-Klubobmann Josef Cap bei der Diskussion "Gegängelte Medien?" im Rahmen der Reihe "Medien.Macht.Demokratie". Grundsätzlich aber fand sich Cap in der Veranstaltung im Parlament in der Defensive: Zum einen war er der einzige Politiker in der Diskussion, an der noch Armin Thurnher ( "Falter"), Eva Weissenberger ("Kleine Zeitung") und Kommunikationswissenschafter Klaus Schönbach teilnahmen.

Zum anderen scheint just seine Partei nach der Causa Pelinka Begehrlichkeiten der Politik auf Medien zu repräsentieren.
Wie viele lange Ehen trägt das Verhältnis von Politik und Medien schizoide Züge: Man kann nicht ohne einander, man ärgert sich über einander und man belauert einander. "Die Politiker gängeln die Medien, die Journalisten gängeln die Politiker", sagt Klaus Schönbach vom Publizistik-Institut der Universität Wien. "Das ist nicht so schlimm, wenn die Balance stimmt. Wenn nicht, gibt es ein Problem." Derzeit scheint das Gleichgewicht gestört.

"Das kostet zwei Millionen"
Möglichkeiten dazu gibt es tatsächlich viele. Eva Weissenberger, designierte Chefredakteurin der "Kleinen Zeitung" Kärnten, erinnert sich aus ihrer journalistischen Vergangenheit etwa bei "Presse" und "Falter" an viel Inserentendruck. Beim "Falter" habe etwa im Jahr 2000 "ein sehr inseratenfreudiger Wiener Wohnbaustadtrat" eine kritische Geschichte abzudrehen versucht. Chefredakteur Thurnher brachte sie trotzdem – und stöhnte "das kostet mich zwei Millionen" (Schilling).

Schönbach bemängelt in Österreich grundsätzlich die undurchsichtige Vermischung von Reklame und Berichterstattung: "Es braucht professionelle Journalisten, um sich gegen die Übergriffe von Laien zu wehren. Nichts anderes sind Politiker."