Das erste Cover von "press . freedom . now" zeigt zwei Frauen im

Februar 2011 in Kario, Ägypten. "Undercover in Syrien", "Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen" sind weitere Themen.
Das erste Cover von "press . freedom . now" zeigt zwei Frauen im
Februar 2011 in Kario, Ägypten. "Undercover in Syrien", "Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen" sind weitere Themen.

Wien. 68 Seiten stark. 35.000 Stück schwer. Am 3. Mai erscheint in Österreich das neue Magazin "press . freedom . now". Herausgegeben wird "die Zeitschrift für freie Information" von der NGO "Reporter ohne Grenzen" (ROG) in Österreich. Der Erscheinungstag wurde nicht zufällig festgelegt, denn der 3. Mai ist seit 1994 der Internationale Tag der Pressefreiheit.

Wenn das Bewusstsein für Presse- und Meinungsfreiheit schwindet, dann wird es gefährlich. Davon ist ROG-Präsidentin und Magazin-Herausgeberin Rubina Möhring überzeugt. Die neue Publikation soll nicht nur auf die weltweite Situation der Medien und Journalisten hinweisen, es soll auch speziell in Österreich dazu beitragen, den Politikern auf die Finger zu schauen. "Wir haben bemerkt, dass es hier eine Lücke gibt", sagt Möhring zur "Wiener Zeitung". Denn wer informiert, wenn die Politik auf Medienhäuser zugreift?

Situation verschlechtert sich


Wenn man in Österreich über Verstöße gegen die Pressefreiheit spricht, dann sind diese laut Möhring "kleine Fälle". "Jammern auf hohem Niveau" sei das im Vergleich zu dem, was in anderen Ländern passiert, aber nichtsdestotrotz käme es auch hierzulande immer wieder zu einem "schlampigen Umgang mit der Pressefreiheit".

Dann etwa, wenn die Staatsanwaltschaft ohne dringenden Verdacht eingreift, oder der Arbeitgeber zu bereitwillig die Unterlagen des Journalisten aushändigt. "Journalisten werden oft wie Feinde behandelt", sagt Möhring. Dabei seien sie die vierte Säule der Demokratie.

Und diese will das neue Magazin pflegen. Die jährlichen Preisträger des Presse-Awards, verliehen von ROG, werden über die Situation in ihrem Land berichten. So etwa die beiden ungarischen Journalisten Maria Vasarhely und Pál Dániel Rényi, die im letzten Jahr den "Press Freedom Award - A Signal for Europe" gewonnen haben. "Journalisten haben dadurch die Möglichkeit, auch außerhalb ihres Landes zu schreiben, oft können sie auch gar nicht im eigenen Land ihre Meinung verbreiten", sagt Möhring.

Seit Jänner 2012 sind weltweit 23 Journalisten aufgrund ihres Berufes gestorben, 2011 waren es insgesamt 66. "Die Situation verschlechtert sich", so Möhring. Die demokratischen Ansprüche in den Ländern steigen, auch das Internet bietet mehr Möglichkeiten für Journalisten. Als eine der gefährlichsten Regionen gilt derzeit Lateinamerika, insbesondere Mexiko. Dort hätten auch die Sicherheitsbeamten Angst, weil sie um ihr eigenes Leben bangen. Auch in Russland berichtet ROG von schlimmen Zuständen.

Aserbaidschan steht momentan im Rampenlicht. "Je näher der Song Contest rückt, umso schwieriger wird es für die Journalisten", berichtet Möhring über die Situation dort. Immer öfter wird von Attacken gegenüber Journalisten, die mundtot gemacht werden sollen, berichtet. Allgemein ortet die ROG-Präsidentin eine Tendenz zum Überwachungsstaat. Seit 9/11 würde mehr Wert auf Sicherheitspolitik als auf Pressefreiheit gelegt. Und kaum jemand würde sich dagegen wehren. "Das ist eine Generation, die keine Diktaturen erlebt hat. Es sind Wohlstandsmenschen, bei denen das Demokratiebewusstsein schleichend verschwindet."

Das Magazin wird Reportagen, Hintergrundberichte, investigativen Journalismus anbieten. Die Bereitschaft der Journalisten, bei diesem Projekt mitzumachen, sei enorm hoch gewesen, sagt Möhring. So wird etwa in der ersten Ausgabe "News"-Journalist Kurt Kuch schreiben, ORF-Redakteur Ed Moschitz wird über seinen eigenen Fall berichten, "Standard"-Chefredakteurin Alexander Föderl-Schmidt widmet sich dem Qualitätsjournalismus als Thema, "Falter"-Herausgeber Armin-Thurnher dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Und der ehemalige ZDF-Intendant Nikolaus Brenda wird im Interview zu lesen sein. Die Vorratsdatenspeicherung, das Redaktionsgeheimnis und der ORF als öffentlich-rechtliches Medium werden thematisiert. Die Berichte werden entweder in Englisch oder in Deutsch erscheinen. Es gibt keine Übersetzung.

Und warum eigentlich eine Printausgabe? Und nicht nur online? "Print kann man überall hin mitnehmen, online wird ein App eingerichtet", sagt die Herausgeberin, die das Geld für das Magazin akquirierte. Das Stück Pressefreiheit ist ab 3. Mai um sechs Euro in allen Trafiken erhältlich.