Die Nachrufe über sein televisionäres Ableben waren verfrüht: Harald Schmidt hätte am Donnerstag seine "Harald Schmidt Show" und damit das schillerndste Kapitel der unglücklichen Geschichte der deutschen Late Night Show zu Grabe tragen sollen. Denn da läuft zum unwiderruflich letzten Mal die "Harald Schmidt Show" auf Sat1, dem Sender, der das Genre Mitte der Neunziger Jahre im deutschsprachigen Raum mehrheitsfähig machte. Und jener Sender, der 2012 dem Altmeister nach nur wenigen Monaten wegen mieser Quoten wie einem Lehrbuben den Stecker zog. Nur mehr etwas mehr als 600.000 Deutsche wollten Schmidt, der einst als "Dirty Harry" die Themen des Bürotratsches vorgab, sehen. Zu wenig für Sat1, das in der schwächelnden Sendung auch keinen Prestigewert mehr erkennen konnte, der sonst immer wie eine Hängebrücke über die Täler in der Quotenentwicklung führte.

Doch nun wird aus dem Aus ein Wechsel: Der Pay-TV-Sender Sky nimmt Schmidt mit seiner Show unter Vertrag. Ab Herbst 2012 wird Schmidts Produktionsfirma drei Sendungen pro Woche für Sky drehen, dienstags bis donnerstags jeweils um 22.15 Uhr, also um eine Stunde früher als zuletzt, darf Schmidt weiter ätzen. Ist das die Rettung? Wird es Schmidt schaffen, sich nachhaltig auf Sky zu etablieren?

Um diese Frage zu beantworten, hilft auch ein Blick in die Geschichte der Show. Denn der Erfolg der Gags ist weniger von Schmidts Tagesform abhängig sondern mehr von den Rahmenbedingungen, die das Genre vorgibt. Da wäre einmal die Tatsache, dass in den USA, dem Mutterland der Late Night, alle Shows von David Letterman bis Jay Leno an fünf Tagen die Woche auf Sendung gehen. Das gibt dem Zuschauer das Gefühl, dass die Show ihn durch die Arbeitswoche begleitet. Wenn man Lust hat, ist sie da, um den Tag mit ihr ausklingen zu lassen. Wir arbeiten - und Schmidt auch. Das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor für die Seherbindung. Schmidt war auch quotenmäßig immer am besten, wenn er fünf Mal die Woche kam. Der erst wöchentliche, dann zwei Mal wöchentliche Showtermin in der ARD hat nie funktioniert, genauso wie die zuletzt drei Mal die Woche - auch wenn Schmidt auf sein langes Wochenende nicht verzichten möchte.

Respektlos, schamlos

Zu spät ist die Show, wie gelegentlich behauptet wird, eigentlich nicht. Showlegende Letterman tritt gar erst eine halbe Stunde vor Mitternacht an - sicher keine Massenbewegung, aber doch Garant für eine passable Quote. Aber Österreich und Deutschland sind nicht die USA, insofern kommt der frühe Sendetermin dem atypisch früh zu arbeiten beginnenden Deutschen sicher entgegen.