Aber Schmidt war auch dann am besten, wenn er machen konnte, was er wollte: respektlos, schamlos und nie um einen Privatkrieg verlegen. Diese freie Hand hatte er früher bei Sat1 - nie zuvor und nie danach wieder. Egal, ob er der politischen Korrektheit mit Polen-Witzen ans Bein pinkelte oder ganz bewusst "Neger" sagte, um sich gleich im Anschluss per Telefon darüber zu beschweren, dass da soeben jemand "Neger" im Fernsehen gesagt hat ("Der muss weg!"). Auch seine völlig unmögliche und daher besonders gelungene Hitler-Parodie verzieh man ihm, mit der er wohl auch deshalb durchkam, weil er sie in eine Parodie von Bruno Ganz verpackte, der damals mit dem Film "Der Untergang" oscarnominiert war.

Bei aller Kritik an der Sendung war Schmidt immer der erklärte Liebling des Feuilletons, das den Schwaben neben Bernd das Brot als letzte Bastion der Vernunft im deutschen Fernsehen erachtete, auch, weil man für den Konsum der Show doch ein wenig über das Tagesgeschehen, Politik und Gesellschaft informiert sein musste.

Intellektueller Anstrich


Das gab Schmidt einen gewissen intellektuellen Touch, den er mit Themen aus der Literatur und Geschichte trefflich pflegte. Unvergessen sind seine Sendungen, in denen er etwa die Französische Revolution mit Playmobil-Figuren nachstellte, oder auch jene Show, die er komplett auf Französisch moderiert - Grund genug für manche, um ihn als Bildungsfernsehen durchgehen zu lassen.

Das Sender-Hopping, zu dem Schmidt die unfreundlichen Zwangsräumungen in der ARD und sogar zweimal bei Sat1 zwangen, lässt auch den Schluss zu, dass es Late Night an sich schwer hat im deutschsprachigen Raum. Immerhin war vor Schmidt auch schon Thomas Gottschalk auf RTL nach drei Jahren Schinderei gescheitert - um beim ZDF weitere gefühlte 40 Jahre "Wetten, dass..?" zu machen. Politische Relevanz erlangte man nie, ganz im Unterschied etwa zu den US-Vorbildern, in denen etwa immer wieder Politiker zu Gast sind, um weitreichende Entscheidungen bekanntzugeben. So war etwa Arnold Schwarzenegger Stammgast bei Jay Leno. Für beide eine Win-Win-Situation: für Leno eine Garantie für Sendungen, die Schlagzeilen machen, und für den Gouvernator ein Interview ohne allzu kritische Nachfragen.

Bleibt zuletzt für Sky noch die Frage, ob Schmidt den Kultstatus halten kann, wenn er schon alles erledigt hat. Was kann man noch anstellen, nachdem man sogar schon eine Sendung im Dunkeln moderiert hat? Wie auch immer, das Stammpublikum wird erleichtert sein, dass die Maschinen des Siechenden nun doch nicht abgestellt werden. Die Nachrufe waren eben doch verfrüht.