Am Zeitungsstand (hier in London) gibt es zahlreiche Minderheitenzeitungen. - © © Gideon Mendel/Corbis
Am Zeitungsstand (hier in London) gibt es zahlreiche Minderheitenzeitungen. - © © Gideon Mendel/Corbis

Bratislava. Rund sechs Millionen Menschen in Europa greifen täglich zu einer Zeitung, die in einer Minderheiten- oder Regionalsprache erscheint. Seit nunmehr 12 Jahren vertritt Midas, die europäische Vereinigung von Tageszeitungen in Minderheiten- und Regionalsprachen, die Interessen der Macher dieser Medien. Viele von ihnen finanzieren sich bisher ganz oder zu einem Großteil aus öffentlichen Fördertöpfen.

In Zeiten leerer staatlicher Kassen müssen die Minderheitenzeitungen neue Wege einschlagen, um das Überleben ihrer Blätter zu sichern. Bei der Midas-Jahrestagung heuer in Bratislava stand deshalb ganz oben auf der Tagesordnung, wie sie die Herausforderungen der Krise dauerhaft zu ihren Gunsten ummünzen. Denn die Minderheitenmedien würden an Bedeutung gewinnen.

Eine besondere Bedeutung haben Tageszeitungen in Minderheiten- und Regionalsprachen übrigens in Spanien mit neun, in Finnland mit sechs sowie in Italien und Rumänien mit drei einschlägigen Medien. Dabei ist zu beachten, dass sich Minderheiten in vielen Ländern über andere Arten von Periodika artikulieren. So erscheinen in Ungarn, dessen Gesetzgebung für Minderheiten seit der Wende von 1989 überwiegend als vorbildlich gilt, vor allem traditionsreiche Wochenblätter.

"Fördergelder sind für viele wichtig, ja überlebenswichtig, sie dürfen sich trotzdem nicht darauf verlassen", mahnt Midas-Präsident Toni Ebner seine Kollegen zur Eigeninitiative. Bojan Brezigar von "Primorski dnevnik", der in Triest erscheinenden Tageszeitung der slowenischen Minderheit in Italien, macht damit schon seit Jahren gute Erfahrungen und sieht sich in Zeiten massiver Streichungen gut gerüstet.

Parteinahe Zeitungen


haben es schwerer


"Die von der Regierung angekündigten einschneidenden Kürzungen bei der Medienförderung werden vor allem parteinahe Zeitungen betreffen. Sie wurden bisher recht großzügig bedacht, während wir als vergleichsweise kleines Medium immer schon wirtschaftlich denken und handeln mussten. Es müssen sich eben endlich alle als ,managing company‘ begreifen", ist er überzeugt.

Zeitungen sind in Zeiten von Sparzwängen möglicherweise auch im Vorteil gegenüber anderen Medien. Attila Lovasz vom Slowakischen Radio und Fernsehen jedenfalls blickt derzeit eher besorgt in die Zukunft, weil die Rundfunkgebühren abgeschafft wurden und er die Konsequenzen für seinen Sender Radio Patria noch nicht abzuschätzen vermag. Bisher bietet er Programme in sieben Minderheitensprachen an. "Da könnte es Einschränkungen geben. In jedem Fall führt kein Weg daran vorbei, dass wir zunehmend die Nutzer elektronischer Medien ansprechen, weil wir nur so junges Publikum gewinnen", so Lovasz.

Aus der Sicht des Midas-Präsidenten Ebner sind Tageszeitungen für Minderheiten unverzichtbar und werden es auch bleiben. "Aus dem Europa der Nationen wird das Europa der Regionen, womit kulturelle und sprachliche Vielfalt in den Vordergrund rücken", ist er überzeugt. Ebner begreift die Umbrüche vor allem als Chance, weil Minderheiten mit Tageszeitungen bei der Durchsetzung ihrer Interessen im Vorteil scheinen.

Wunsch nach verbindlicher Förderung auf EU-Ebene


-Die tägliche Auseinandersetzung mit minderheitenrelevanten Themen bringe ganz einfach einen anderen Umgang mit Rechten und Pflichten mit sich. Midas-Präsident Ebner will deshalb auf eine EU-Richtlinie hinwirken, in der die Förderung von Minderheitenmedien für alle Mitgliedstaaten verbindlich festgeschrieben wird. Dabei könnte die EU beispielsweise Mindeststandards definieren.

Ein gemeinsamer Nenner sei aber bei der Vielfalt der Interessen und Kulturen sehr schwierig zu finden, "deshalb müssen wir darüber sehr sorgsam diskutieren", gibt der Journalist zu bedenken und weist damit in eine ungewisse Zukunft.