• vom 20.06.2012, 15:47 Uhr

Medien

Update: 20.06.2012, 16:27 Uhr

Digital Natives

Instanz im Stimmenmeer




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Von Ina Weber

  • Wo das britische Königshaus twittert, ist den Deutschen ihre Privatsphäre heilig
  • Mercedes Bunz über mehr Bilder im Netz und zutiefst soziale Technologien.

"Wiener Zeitung": Inwiefern hat sich Kommunikation aufgrund der Social Media verändert?

Online-Expertin Bunz: Soziale Medien sozial machen.

Online-Expertin Bunz: Soziale Medien sozial machen.© Th. Lohr Online-Expertin Bunz: Soziale Medien sozial machen.© Th. Lohr

Mercedes Bunz: Interessanterweise ist das in allen Ländern sehr unterschiedlich. Österreich hat seine ganz eigene Herangehensweise, dort ist es anders als in Deutschland oder Großbritannien, wo ich lebe. Mein Kollege Julian Ausserhofer, der eine Twitterstudie in Österreich durchgeführt hat, sieht dort drei Sphären, die sich wenig überschneiden: Bildungsbürgertum, Medienmenschen und Netzspezialisten. In Deutschland ist das ähnlich, nur wird dort der neue öffentliche Raum, der sich mit der Digitalisierung ergeben hat, sehr argwöhnisch betrachtet. Historisch hat Kommunikation dort etwas mit der Preisgabe von Information zu tun, und das ist auch heute noch in den Köpfen der Leute. Folglich ist die Privatsphäre heilig. In England dagegen ist das anders, dort gehört das freundliche Plauschen, der Small Talk, ja zur Alltagskultur. Deshalb nimmt man dort auch Soziale Medien bereitwilliger an. Zehn Millionen Briten sind auf Twitter und auch das Königliche Haus hat schon seit 2009 einen Account, @TheBritishMonarchy.


Gibt es neue Entwicklungen?

Information

Zur Person

Mercedes Bunz (40) ist Kulturwissenschaftlerin und Journalistin, sie lebt in London. Sie war Chefredakteurin des Online-Auftritts der "Berliner Zeitung", des "Tagesspiegels", des Berliner Hauptstadtmagazins "Zitty" und Technologiereporterin von "The Guardian" und unterrichtete zuletzt als Dozentin an der Kunstuniversität Linz.

Ja, Bilder rücken immer mehr ins Zentrum. Allgemein geht der Trend ja ins "Mobile", wenn man das so sagen kann, aber das ist für Social Media ein alter Hut. Twitter hat seinen Durchbruch ja damals erlebt, weil es als eines der ersten Medien das Mobiltelefon ans Netz angeschlossen hat, indem man Twitter-Nachrichten auch ganz einfach per SMS schicken konnte. Die Neuerung, die wir dort gerade erleben, ist also nicht die Entdeckung des Mobiltelefons, sondern dass Bilder immer wichtiger werden. Da unsere Handys immer mehr auch zu handlichen Kameras von guter Qualität geworden sind, hat das Veröffentlichen von Fotos auf Facebook oder Twitter extrem zugenommen. Und mit der gerade von Facebook gekauften Telefon-Anwendung Instagram wird dieser Trend auch passend von einer neuen Anwendung veranschaulicht.

Die Welt der Digital Natives ist eine andere. Sehen Sie mehr Gefahren oder Vorteile für die Zukunft?

Ja, das ist ein gutes Thema. Junge Leute müssen heute lernen, mit einer offenen Medienwelt umzugehen, und ich bin mir nicht sicher, ob wir sie hierbei immer gut begleiten. Zeigen wir ihnen die Möglichkeiten, die das Internet für ihr Wissen bietet? Weisen wir sie offen auf die Probleme hin, die durch eine sie konstant begleitende Medienwelt entstehen? Wenn man als junger Mensch soziale Gemeinschaften entdeckt, ist man ja einigem Druck ausgesetzt - das war allerdings schon immer so, das Problem des Gruppendrucks ist nicht erst seit der Digitalisierung ein Thema. Trotzdem sollten Eltern sich bis zu einem gewissen Alter von den Kindern zeigen lassen, was diese im Netz so treiben, und die digitale Welt mit ihnen zusammen bereisen. Mit dem Verlust der Privatsphäre haben sich Jugendliche eigentlich schon immer gut ausgekannt. Bislang bedrohte diese nur weniger die Medien, sondern nur ihre Eltern.

Wie sozial sind die Social Media eigentlich?

Wir vergessen das ja gerne, aber Gesellschaft basierte in gewisser Weise schon immer auf Technologie. Schon in der Antike nutzte die Demokratie in Athen Scherben, um sich über demokratische Meinungsfindungen zu verständigen. Technologie ist also zutiefst sozial. Soziale Medien erweitern den öffentlichen Raum, machen ihn zugänglicher, allerdings ersetzt das nicht politische Meinungsbildung, sondern ergänzt sie nur. In der Vielfalt der individuellen Stimmen da draußen droht der Einzelne nun wieder unterzugehen, es braucht also Instanzen, die das Stimmenmeer durchforsten. Richtig verstanden ist das eine klare Verbesserung, aber man muss auch Arbeit investieren - von alleine sind soziale Medien nicht sozial, sie sind nur so politisch und sozial, wie wir sie machen.

Spielt sich die Welt in 20 Jahren ausschließlich im Netz ab?

Auf keinen Fall. Die Welt hat sich ja mit der Erfindung des Buchdrucks auch nie nur in Büchern abgespielt. Das Digitale ist nicht das Andere der Welt, sondern ein weiterer Zugang zu ihr. Wie wir den gestalten, liegt in unserer Verantwortung.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2012-06-20 15:53:08
Letzte Änderung am 2012-06-20 16:27:33


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