Wien. (iw) Die Meldungen verbreiten sich wie ein Lauffeuer - geschrieben von Agenturen, Journalisten und Bürgern. Es bleibt oft kaum Zeit, die Quelle zu überprüfen. "Wenn die Twitter-Meldung einen News-Wert hat, wird sie übernommen, aber immer mit Quellenangabe", so der stellvertretende Chefredakteur der Austria Presse Agentur (APA) Johannes Bruckenberger, es sei denn, die Meldung kommt von einer anderen vertrauenswürdigen Agentur. Bei Kriegsschauplätzen, wie es derzeit in Syrien der Fall ist, gilt laut Bruckenberger leider oft der Spruch "Die Wahrheit ist das erste Opfer", wenn es eben wie dort kaum unabhängige Meldungen gibt.

Reputationsökonomie


Die journalistische Qualität in den Sozialen Medien unterliegt vor allem einer "Reputationsökonomie", sagt Christian Hoffmann vom Institut für Medien und Kommunikationsmanagement der Uni St. Gallen. "Einzelne Autoren oder Plattformen erarbeiten sich einen Ruf - an diesem orientieren sich die Leser." Die Plattformen und Autoren genießen unterschiedliches Ansehen. "Ein ,Perez Hilton‘ gilt sicher nicht als zuverlässiger Journalist, aber als talentierter Unterhalter. Ein Matt Drudge dagegen hat sich die Reputation hoher faktischer Zuverlässigkeit bei gleichzeitig starker politischer Einseitigkeit aufgebaut", sagt er.

Die Reputation ist demnach laut Hoffmann "das wichtigste Kapital der Autoren im Netz. Wer einen Reputationsschaden erleidet, ist seine Leserschaft sehr schnell wieder los." Da es sehr unterschiedliche Leserbedürfnisse gäbe, können die etablierten Standards des Nachrichten-Journalismus kaum pauschal auf Soziale Medien angewandt werden. Am Ende entscheidet dort der Leser, welche Quelle erfolgreich ist.