• vom 03.02.2011, 16:26 Uhr

Medien

Update: 03.02.2011, 16:27 Uhr

Verwertungsgesellschaften erhalten eigene Behörde im Justizministerium

Kleine Behörde, großer Topf




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Von Ina Weber

  • Neue Aufsicht über das Geld der Künstler.
  • Scholz: "Verwertungs gesellschaften leisten wichtige Arbeit."
  • Wien. 170 Millionen Euro Umsatz (2009) verbuchen die acht österreichischen Verwertungsgesellschaften pro Jahr. Ihr Beliebtheitsgrad folgt gleich jenem des Finanzamts, wie sie selbst über sich sagen. Dabei haben sie nicht nur eine lange Geschichte und damit Tradition, sie bewahren das Urheberrecht, helfen Künstlern in sozialen Notlagen und fördern den künstlerischen Nachwuchs.

Marisa Pia Scholz, die neue Leiterin der Aufsichtsbehörde für Verwertungsgesellschaften. Foto: Robert Newald

Marisa Pia Scholz, die neue Leiterin der Aufsichtsbehörde für Verwertungsgesellschaften. Foto: Robert Newald

Marisa Pia Scholz, die neue Leiterin der Aufsichtsbehörde für Verwertungsgesellschaften. Foto: Robert Newald

Marisa Pia Scholz, die neue Leiterin der Aufsichtsbehörde für Verwertungsgesellschaften. Foto: Robert Newald Marisa Pia Scholz, die neue Leiterin der Aufsichtsbehörde für Verwertungsgesellschaften. Foto: Robert Newald

Die Geldbeträge für jeden einzelnen Kreativen sind meist nicht hoch. Oft wird im Cent-Bereich abgerechnet. Doch den Kreativen, denen unter anderem pro Kauf eines Speichermediums ("Leerkassettenvergütung") oder aufgrund von Aufführungen ihrer Werke über die Verwertungsgesellschaften ein kleiner Betrag zukommt, stehen die Konsumenten, die nicht bereit sind, mehr zu zahlen, die Wirtschaftskammer und nicht zuletzt die Gerätelobby gegenüber. Der Kampf von sechs Verwertungsgesellschaften, angeführt von der größten, der Austro Mechana, gegen den Computer-Konzern Hewlett Packard, der gegen die von den Verwertungsgesellschaften im Oktober 2010 eingeführten Festplatten-Tarife klagt, beschäftigt derzeit die Gerichte. Ein Kampf David gegen Goliath?


Marisa Pia Scholz, die 31-jährige Juristin, ist seit 1. Februar die neue Leiterin der Aufsichtsbehörde für Verwertungsgesellschaften, die es seit 2006 gibt. Wissbegierig steht sie nun einer der kleinsten Behörden Österreichs vor, denn von den geplanten drei Personen gibt es derzeit nur zwei. Jahrelang hat sie mit Florian Philapitsch, dem jetzigen stellvertretenden Leiter der neuen Medienbehörde, zusammengearbeitet und sich in diesen speziellen Bereich eingearbeitet. "Wenn man sich einmal auskennt, wird es wirklich interessant", lacht sie. Als Kontrolleurin - "ich schaue, dass alles mit rechten Dingen zugeht" - möchte sie aber vor allem mit einem Vorurteil aufräumen: "Die Verwertungsgesellschaften wollen sich nicht bereichern. Laut Gesetz sind sie Treuhänder und nicht auf Gewinn gerichtet. Sie leisten wichtige Arbeit und kümmern sich darum, dass das Geld den Künstlern zugute kommt", sagt sie im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Denn kein Musiker könne selbst beobachten, wann, bei welcher Gelegenheit, in welchem Land sein Musikstück aufgeführt wird. Das macht in diesem Fall für ihn die AKM und ihre Schwestern in den anderen Ländern. Die Verwertungsgesellschaften sind international vernetzt, sodass die AKM das Weltrepertoire lizenzieren kann.

Transparenz ist Scholz für ihre Behörde wichtig, und so geht sie auch höchstpersönlich zu Sitzungen der Verwertungsgesellschaften, um sich selbst ein Bild zu machen. Davor wurden die Gesellschaften von Staatskommissaren, Beamten des Unterrichtsministeriums, "nebenbei erledigt". Die neue Behörde untersteht nun dem Justizministerium, da "die Nähe zum Urheberrecht Sinn macht".

Dass die Gesellschaften um ihr Geld kämpfen müssen, liegt für Scholz auf der Hand. "Der Markt ist gesättigt. Der Verkauf von CDs und MP3 geht um 20 Prozent im Jahr zurück." Derzeit laufe auch ein Prozess, ob Handys abgabepflichtig sind. 50 Prozent der Einnahmen aus der Leerkassettenvergütung müssen sozialen und kulturellen Einrichtungen zugeführt werden. Auch Witwen- und Waisenpensionen werden gezahlt. Die AKM hat Außendienstmitarbeiter, die durchs Land fahren und Bierzelte, Frisöre und Discos kontrollieren, ob für abgabepflichtige Musikaufführungen gezahlt wird.

Zum Kampf der Gesellschaften um Festplatten-Tarife meint Scholz: "Der Schluss, dass auf den Festplatten kein urheberrechtlich geschütztes Material oben ist, wäre sicher verfehlt."

Zur Person

Marisa Pia Scholz, Jahrgang 1979, absolvierte ihr Jus-Studium in Wien und Paris. Sie begann 2004 im Bundeskanzleramt und wechselte 2007 in die KommAustria (Kommunikationsbehörde), wo sie für Verwertungsgesellschaften (u.a. AKM, Austro Mechana, Literar-Mechana, VDFS - Filmschaffende) zuständig war. Seit 1. Februar leitet sie die Aufsichtsbehörde.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2011-02-03 16:26:41
Letzte Änderung am 2011-02-03 16:27:00


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