Alles neu - zumindest die Jury: Thomas Gottschalk, Michelle Hunziker, Dieter Bohlen. - © RTL/Andreas Friese
Alles neu - zumindest die Jury: Thomas Gottschalk, Michelle Hunziker, Dieter Bohlen. - © RTL/Andreas Friese

Endlich wieder eine Castingshow im Hauptabend. Endlich wieder "Supertalent". Ab Samstagabend soll sich über mehrere Wochen hinweg auf RTL zeigen, wer wirklich "superviel Talent" besitzt. Die insgesamt sechste Ausgabe des Formats sorgte allerdings bereits vorab für viel Medienpräsenz. Die zuletzt sinkenden Quoten zwangen RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt zum Umdenken. Mehr Anstand soll anscheinend her - in Form von Fernseh-Urgestein Thomas Gottschalk.

Gemeinsam mit seiner ehemaligen "Wetten, dass . . ?"-Co-Moderatorin, der ewig gut gelaunten Michelle Hunziker, wird er Dieter Bohlen bei der Suche nach neuen Talenten unterstützen. Hunziker soll bei dem Dreiergespann vor allem als Puffer zwischen den beiden Alpha-Showmännern fungieren. Aber ernsthaft: Gottschalk beim Supertalent? Bereits 1992 moderierte der mittlerweile 62-Jährige mit dem gewöhnungsbedürftigen Modegeschmack eine Show auf RTL. Nachdem seine Vorabendsendung "Gottschalk live" in der ARD aufgrund der desaströsen Quoten nach wenigen Ausgaben wieder eingestellt wurde, kehrt er nun nach langer Absenz wieder zum Privatfernsehen zurück. In einem Interview erklärte der beliebte Moderator die Beweggründe für seine neue Aufgabe so: "Ich saß ja nach meiner Vorabendpleite gerade ohne Job in Berlin und fand das Angebot, neben Dieter Bohlen in der Jury zu sitzen, erst einmal riskant, aber auch faszinierend." Ob Gottschalk auch das Publikum faszinieren wird, ist mehr als fraglich. Traut man den Augenzeugenberichten des deutschen Journalisten Peer Schader, der bei einer Aufzeichnung anwesend war, ist er nicht die ideale Besetzung. Für ihn wirkte Gottschalk "wie festgetackert hinterm Pult" und wie jemand, der während der Show "ein paar durchschnittlichen Hundetricks ein Lob abgewinnen muss".

Gottschalk gefährdet seinen guten Ruf


Auch die Deutschen sind laut einer Umfrage der Meinung, Gottschalk hätte dieses Engagement besser sein lassen sollen. Stolze 64 Prozent denken, die Sendung sei unter seinem Niveau und Thomas Gottschalk gefährde mit dieser Show seinen Ruf.

Und was darf sich der Zuseher dieses Mal vom Supertalent erhoffen? Wahrscheinlich nicht viel anderes als bei den letzten fünf Staffeln: einen modernen Pranger, Samstagabend zur Primetime. Nur, dass sich die Leute hier freiwillig als Marionetten melden und sich nicht selten durch geschickte Schnitt-Techniken vor Millionen Zusehern zum Gespött machen. Die Shows selbst laufen oft nach demselben Schema ab, und die Kandidaten könnte man in drei Kategorien einteilen: Da hätten wir einmal jenen Typen, der einen schweren Schicksalsschlag erlitten hat; daneben gibt es den unsympathischen Kandidaten, der binnen weniger Minuten von Publikum und Jury ausgebuht wird - und zu guter Letzt jenes "Supertalent" in spe, das irgendetwas Schweinisches oder Ekelhaftes auf der Bühne vorführt. Zwischendurch wird das bewusst platzierte Publikum im Saal wirkungsvoll eingeblendet - entweder mit gerührtem, fasziniertem oder angewidertem Blick, wie es eben gerade passt, alles untermalt mit viel Musik und künstlich erzeugter Dramaturgie.

Das "Supertalent" zählt ohne Frage zu jenen Shows, die zwar offiziell niemand schaut, deren Quoten jedoch bisher anderes vermelden. Bei der fünften Staffel sahen noch knapp sechs Millionen Deutsche zu. Ob Gottschalk dem Sender wieder solche Quoten beschert, wird von den Medien mit Spannung erwartet. Auch, ob er es schafft, das Niveau zumindest ein wenig zu steigern.

Auf Niveau wird RTL aber bestimmt nicht langfristig setzen: Vor kurzem wurde eine weitere Staffel des "Dschungelcamps" fixiert.