Kultobjekt: Der Diamantstern zierte einst das Haar von Kaiserin Elisabeth. - © apa
Kultobjekt: Der Diamantstern zierte einst das Haar von Kaiserin Elisabeth. - © apa

Es wäre ein Abend ganz nach seinem Geschmack. Robert Palfrader alias seine Majestät Robert Heinrich I. wäre wahrlich entzückt, würde er einen Blick in das Samstagabendprogramm von ORFIII werfen. Schließlich predigt er uns schon seit geraumer Zeit: "Wir sind Kaiser!" Nun ja, zumindest waren wir es einmal. Und das über weite Strecken auch überaus erfolgreich, wie uns die Geschichtsbücher lehren.

ORFIII lässt die Monarchie diesen Samstagabend jedenfalls noch einmal hochleben und zeigt eindrucksvolle Dokumentationen über den einstigen Kaiser Franz Joseph und seine Elisabeth. Viele Verfilmungen dieser einzigartigen Liebesgeschichte, allen voran die "Sissi"-Trilogie aus den 1950er Jahren, sorgen dafür, dass wir die Monarchie großteils als etwas sehr Prunkvolles und Romantisches in Erinnerung behalten. Dass jedoch Mitte des 19. Jahrhunderts nicht alles so heiter war, wie es uns Karl-Heinz Böhm und die unvergessliche Romy Schneider suggerierten, ist nicht von der Hand zu weisen.

Rätselhafte Kaiserin


Gestartet wird der monarchische Abend mit einer Doku über Kaiserin Elisabeth, die den bedeutsamen Titel "Elisabeth - die rätselhafte Kaiserin" trägt. Und das war sie auch, wenn man den geschichtlichen Aufzeichnungen Glauben schenkt. So offenherzig und liebenswürdig, wie sie von Romy Schneider dargestellt wurde, war die echte Kaiserin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht. Zu selten präsentierte sie sich ihrem Volk, zu geheimnisvoll war ihre Aura, zu ausgeprägt ihr Egoismus.

Schon zu Lebzeiten nährte sie dadurch Mythen und verstärkte den Kultstatus, der ihre Person noch heute umgibt. Tom Matzek zeigt in seinem Film die wahre Kaiserin Elisabeth. Das geschieht nicht nur aufgrund fünf unterschiedlicher Experten, sondern auch durch neues Material, wie zum Beispiel das Tagebuch von Erzherzogin Sophie, der Mutter Franz Josephs, das die angeblich so schlechte Beziehung zwischen Elisabeth und ihrer Schwiegermutter in einem neuen Licht erscheinen lässt.

Im Anschluss schildert die Dokumentation von Andreas Novak unter dem schlichten Titel "Kaiser Franz Joseph" das Leben des Monarchen und sein politisches Können oder vielmehr Nichtkönnen. Gerade in einer Zeit, als das für uns mittlerweile selbstverständliche Wahlrecht, der Parteienstaat und der Parlamentarismus erkämpft wurden, reagierte der damaliger Kaiser erst mit Reformen, als ihm keine andere Wahl mehr gelassen wurde. Dem "Hüter der vererbten Rechte" wurde oft nachgesagt, er sei ein besserer Jäger als Politiker. Neben Experten kommt in dieser Dokumentation aber auch der mittlerweile verstorbene Otto von Habsburg zu Wort, der als einziger Zeitzeuge von den Begegnungen mit seinem Urgroßonkel zu berichten weiß.

Das Kaiserpaar ist auch lange nach seinem Tod das Symbol schlechthin, das an die "gute, alte Zeit" erinnert. Die gute alte Zeit, in der Elisabeth und Franzl verliebt über grüne Wiesen spazierten, als ob es keine Probleme zu lösen gäbe. Der Kult um die beiden ist spätestens seit den "Sissi"-
Filmen an einem nicht enden wollenden Höhepunkt angelangt. Noch heute faszinieren die damalige prunkvolle Zeit und ihre Hauptprotagonisten Menschen auf der ganzen Welt. Alleine in der Hauptresidenz des Kaiserpaares, in Schönbrunn, werden jährlich über 2,3 Millionen Besuche verzeichnet. Doch so ungern wir unseren Kaiser Robert Heinrich I. nun enttäuschen möchten - die Monarchie wünschen wir uns wahrlich nicht zurück. Wobei Kaiser Franz Joseph allerdings einmal sagte: "Ich bin der letzte Monarch der alten Schule. Meine Aufgabe als Kaiser ist es, meine Völker vor ihren gewählten Politikern zu schützen." Und Schutz vor einigen gewählten Politikern zu erhalten, wäre heutzutage eigentlich eine Überlegung wert.