In der Ö1-Sendung "Im Gespräch" ist am Donnerstag, 17. Jänner, Eva Blimlinger, die Rektorin der Akademie der bildenden Künste Wien, bei Michael Kerbler zu Gast (21 Uhr).

Eva Blimlinger koordinierte das große NS -Zeit-Aufarbeitungsprojekt. - © Foto: apa/R. Schlager
Eva Blimlinger koordinierte das große NS -Zeit-Aufarbeitungsprojekt. - © Foto: apa/R. Schlager

Die Geschichte ist voller Beispiele, die belegen, dass Erzählungen, Ereignisse, Begebenheiten, die von Gruppen, Kollektiven oder auch von einer ganzen Bevölkerung "erinnert" werden, mit der historischen Faktenlage kaum deckungsgleich sind.

Ideologisch oder auch religiös motivierte Mythenbildung, machtgetriebene Uminterpretation von Ereignissen, auch vorsätzlich betriebene Geschichtsfälschung, liefern das Material für ein Geschichtsbild, das Vorurteile, Hass und Feindbilder hervorbringt und im Alltag Klischeebilder festigt. Und damit, gemessen an der Faktenlage, zu einer "falschen Identität" führt.

Durch Ideologien überlagert

Auch Geschichte, die individuell erinnert wird, unterscheidet sich oftmals von den historischen Ereignissen, ja steht diesen manchmal sogar diametral entgegen. Diese Erinnerungen sind durch Ideologien aller Art überlagert und konstruieren sich aus den biografischen Umständen und Bedingtheiten. Demgegenüber steht ein staatlich vermitteltes Geschichtsbild, welches vor allem in den Schulen und durch Medien vermittelt wird.

Diese Geschichtsbilder, kombiniert mit der subjektiven Wahrnehmung, die nur selten die Ergebnisse der geschichtswissenschaftlichen Forschung berücksichtigten, führen immer wieder zu einer Perpetuierung von Klischees vom Anderen, vom Fremden.

Im Gespräch mit der Historikern Eva Blimlinger, die das umfangreichste NS-Zeit-Aufarbeitungsprojekt der Republik Österreich koordinierte, geht es um die Kultur der Erinnerung, um das Wie des Erinnerns und die Bedeutung von Erinnerung sowie um die Fragen, was können Kunst und Kultur in diesem Zusammenhang leisten? Welche Rahmenbedingungen muss die Wissenschaft, etwa Zeitgeschichtsforschung, vorfinden, um Geschichtsbilder zu verändern? Erst nach Beantwortung dieser Fragen können Voraussetzungen für Einsichten geschaffen werden, die die Entwicklung neuer Identitäten ermöglichen.

Aufnahme für das Radio


Das öffentliche Gespräch von Michael Kerbler mit Rektorin Eva Blimlinger findet auf Einladung der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt am Mittwoch, 16. Jänner, um 19 Uhr statt (im Stiftungssaal der Universität). Der Eintritt ist frei, es wird jedoch um Anmeldung ersucht (Tel. 0 46 3/22 88 22/0).