Elisabeth Dirr mit von ihr illustrierten Kinderbüchern. - © rm
Elisabeth Dirr mit von ihr illustrierten Kinderbüchern. - © rm

Wien. "Sehr überrascht war ich, als ich vor einiger Zeit am ,Wiener Zeitung‘-Haus vorbeifuhr und der Schriftzug (den ich übrigens bei Herrn Fahnler entworfen hatte) war weg", schrieb die Grafikerin Elisabeth Dirr in ihrer Weihnachtspost und verriet, dass sie am 21. Jänner 90 wird.

Elisabeth Dirr hat in den Neunzigerjahren, als sie schon in Pension war, nicht nur den Schriftzug für die "Wiener Zeitung" entworfen, sondern auch die Skizzen für den Wandertipp und oft brachte sie die Karikaturen ihres Mannes Rudolf selbst in die Zeitung, begleitet von ihrem Dackel Bonzo, der sich in den langen Gängen der Redaktion am Rennweg überaus wohl fühlte.

Die Arbeit bei der "Wiener Zeitung" war die letzte in einer langen beruflichen Laufbahn mit Stift und Pinsel. Ab 1947 hatte das Ehepaar Dirr für den Vorwärts-Verlag - und dort vor allem für die "Arbeiter Zeitung", das "Kleine Blatt" und "Die Frau" gearbeitet. Zuvor hatte Elisabeth Dirr 1941 über ihre Studienkollegin Lilli Koenig, die Frau des Verhaltensforschers Otto Koenig, einen Auftrag des finnischen Kaufhauses Renlund in Helsinki für Dekorationsentwürfe für die Schaufenster erhalten.

In den frühen Sechzigerjahren bot man ihr dann dort sogar eine Anstellung an - zur gleichen Zeit, als sie auch die Möglichkeit gehabt hätte, bei den Ausgrabungen in Ephesos für die Erstellung von Skizzen und Fotos angestellt zu werden. Letztlich entschied sie sich aus familiären Gründen doch für den Vorwärts-Verlag, wo ihr Mann Rudolf ab 1967 seine feinen, unvergleichlichen Karikaturen schuf, deren Entwürfe sie dem Bezirksmuseum Landstraße übergeben hat.

Die Honorare waren in der Nachkriegszeit recht mager und das Ehepaar nahm auch immer wieder Aufträge aus der Werbewirtschaft an, für die es des Öfteren Preise gab. Stolz zeigt Elisabeth Dirr, die nach dem Tod ihres Mannes vor zehn Jahren in die unmittelbare Nachbarschaft ihrer Tochter Irene nach Simmering gezogen ist, die Urkunden und die säuberlich in Mappen geordneten Entwürfe. Sie selbst hat seit den späten Vierzigerjahren auch immer wieder entzückende Illustrationen für Kinderbücher geschaffen und zahlreiche Arbeiten für die seinerzeit sehr beliebte Kinderzeitschrift "Wunderwelt".

Zu ihrem 90. Geburtstag wünscht sich die geistig rege und körperlich erstaunlich fitte Elisabeth Dirr vielleicht noch einmal eine Reise nach Dresden, wo ihr Opa herstammte - "wenn die Knie mitmachen" - und dass vielleicht eine Mappe mit den Arbeiten ihres Mannes, die in einem Archiv verloren gegangen ist, wieder auftaucht.