Wien. Die sogenannte Corporate Social Responsibility (CSR), Engagement im Sinne gesellschaftlicher Verantwortung, haben die Professoren Franzisca Weder und Matthias Karmasin am Medieninstitut der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt untersucht. Über einen langen Zeitraum von 1995 bis 2012 verfolgten sie die Einstellung österreichischer Unternehmens-Manager zur CSR, die diesbezügliche Erwartungshaltung der Bevölkerung und die mediale Berichterstattung in 26 deutschsprachigen Printtiteln - etwa "NZZ", "Welt", "Weltwoche", "FAZ", "Spiegel", "Focus", "Bild", "Presse", "Standard", "News", "profil", "Wirtschaftsblatt".

Es zeigte sich dabei, dass sich CSR-Management von den Marketingabteilungen zunehmend in die Geschäftsführungen der Unternehmen verlagert hat. Auffällig ist bei den Entscheidungsträgern eine signifikante Abnahme von Gewissenskonflikten, was eine mögliche Diskrepanz zwischen persönlichem Handeln und sozialer Verantwortlichkeit betrifft.

Das könnte einerseits daran liegen, dass solche grundsätzlich mit dem Selbstverständnis von Managern nur schwer kompatibel sind, andererseits die Bereitschaft, sich überhaupt mit Gewissenskonflikten auseinanderzusetzen, abgenommen hat. Medial ist CSR vorwiegend für die Wirtschaftsressorts ein Thema. Das birgt gewisse Probleme, wie Karmasin bei der Präsentation der Studie im Presseclub Concordia erläuterte: "Sehr viele Wirtschaftsjournalisten haben eine ökonomische Sozialisation durchlaufen und sind in diesem klassischen Paradigma - dem naiven Glauben an den Wettbewerb, den Markt - gefangen. Dass Wettbewerb wohltätig und der Markt eine gute Instanz ist, um gesellschaftliche Probleme zu lösen. Wenn ich diese Ausbildung durchlaufen habe, tue ich mir mit einer kritischen Betrachtung der Marktwirtschaft und dem Dogma der Nutzenmaximierung schwer. Dieses Mainstreaming darf man nicht unterschätzen." Für die Wirtschaftsberichterstattung bedeute das, dass die Leute unfähig sind, komplexere theoretische Überlegungen mitzudenken. "CSR muss sich immer unter das Joch der Nützlichkeit beugen."

Wer hilft, ist suspekt


Dazu komme eine für den deutschen Sprachraum charakteristische Art der Berichterstattung über Unternehmen, die sich zu sozialer Verantwortlichkeit bekennen: "Sie werden medial sofort investigativ begleitet und auf möglich Widersprüche untersucht. Unternehmen, die sich gar nicht erst mit CSR abgeben, werden in Ruhe gelassen."