Wien. Der neue Kollektivvertrag für Journalisten bringt einen Paradigmenwechsel: Er gilt sowohl für Tages- und Wochenzeitungen als auch für "digitale redaktionelle Dienste". Zugleich wird bei den Redakteurs-Gehältern der Sparstift angesetzt.

Redakteure und technisch-redaktionelle Dienste
Journalisten in Online-Medien waren ja bisher oft nach als branchenfremd kritisierten Kollektivverträgen tätig. VÖZ und Gewerkschaft unterstrichen denn auch, dass man sich auf einen "gemeinsamen Redakteursbegriff" geeinigt habe. Erfasst sind zudem "technisch-redaktionelle Dienste" (TRD), worunter etwa Layouter, Grafiker, Bildbearbeiter oder Cutter zu verstehen sind, soweit sie im redaktionellen Bereich arbeiten. Zudem sollen "Umgehungsverträge" vermieden werden, indem ständige bzw. pauschalierte "Freie" angestellt werden müssen.

Die Gehaltsstufen im neuen KV sind niedriger als bisher. Nach derzeit geltendem Tarifvertrag verdient ein Redakteur im ersten Jahr rund 2.541 Euro, im zweiten 2.687 Euro, im dritten 2.837 Euro und im fünften Jahr 3.132 Euro - jeweils 15 mal jährlich. Künftig soll es im ersten Jahr 2.185 Euro, im zweiten 2.285 Euro und im dritten 2.385 Euro geben. Dann gibt es nur mehr eine "Regelstufe" mit 2.610 Euro. Die Bezüge werden vierzehn Mal pro Jahr ausgezahlt. Für die technisch-redaktionellen Dienste gibt es 2.060 Euro (1. Jahr), 2.160 Euro (2. Jahr) und 2.335 Euro (Regelstufe). Die neue Gehaltstabellen gelten für Neueintretende.

Quinquennien werden gesplittet
Die Quinquennien, also die fünfjährigen Gehaltssprünge, sollen künftig "gesplittet" werden. Bisher lagen die ersten beiden Quinquennien bei zehn Prozent vom letzten Ist-Gehalt, das dritte und vierte betrug je acht Prozent, das fünfte sechs Prozent, weitere Quinquennien brachten je vier Prozent vom letzten Ist-Gehalt.

Nach dem neuen KV soll das erste Quinquennium weiterhin zehn Prozent betragen, allerdings anders ausbezahlt werden. Das erste Quinquennium etwa bedeutet weiterhin ein Gehaltsplus von zehn Prozent nach fünf Jahren. Allerdings wird der Betrag aufgeteilt und schon ab dem zweiten Jahr bezahlt: zwei Mal zu drei Prozent und zwei Mal zwei Prozent. Die Gewerkschaft sieht hier einen Vorteil für die Arbeitnehmer, weil sie schon früher etwas vom Quinquennium hätten - und zudem schlage sich ja der "Zinseszinseffekt" zu Buche, sagte Vorsitzender Franz C. Bauer zur APA.

Das zweite Quinquennium ist nun nur mehr acht Prozent wert und wird auf vier Mal zwei Prozent gesplittet. Die folgenden beiden schlagen wieder mit acht Prozent zu Buche, das fünfte Quinquennium bringt vier Prozent und ab dem sechsten sind jeweils ein Prozent vorgesehen. Bei den Quinquennien gibt es laut Bauer eine Übergangsregel für Altverträge: Das nächste wird noch nach altem Schema ausbezahlt, danach greift das neue System.

14 statt 15 Monatsgehälter
Anders als bisher - und so, wie weitgehend in österreichischen Kollektivverträgen üblich - erhalten Journalisten der Einigung zufolge künftig 14 statt 15 Monatsgehälter. Bei Altverträgen wird das bisherige 15. Monatsgehalt vorerst auf 14 Gehälter umgerechnet. Allerdings werden diese Gehälter dieser Gruppe bei den jährlichen KV-Erhöhungen durch eine "Gegenrechnung" sukzessive vermindert. Konkret erhalten die Betreffenden nur die halbe KV-Erhöhung, wurde im VÖZ auf APA-Anfrage erläutert, und zwar bis das 15. Gehalt quasi "abgeschmolzen" ist. Wirksam werden soll diese Aufsaugregel erst mit der KV-Erhöhung 2014, so Bauer.

Die Normalarbeitszeit beträgt weiter 38 Stunden pro Fünftages-Woche. Mehrarbeit am sechsten Tag soll künftig unter die Überstundenregelung fallen, Überstunden in der Nacht bzw. am Sonn-und Feiertag erhalten einen Zuschlag von 100 Prozent. Der Durchrechnungszeitraum soll hier sechs Monate betragen. Bisher habe es hier oft Pauschalregelungen gegeben, so Bauer. "Künftig gilt: Arbeitszeit laut Anfall." Die Gewerkschaft betont zudem, dass allfällige bestehende bessere Betriebsregelungen bestehen bleiben könnten.

Urlaube sollen künftig nach dem Journalistengesetz geregelt werden, demnach beträgt der Mindesturlaub 30 Tage, nach zehnjähriger Dauer des Arbeitsverhältnisses 39 Tage. Dies entspricht der Regelung im bisherigen KV, wobei dort nach 20 Jahren Dienstverhältnis noch 41 Tage vorgesehen sind, was es künftig nicht mehr gibt. Für Altverträge soll die bisherige Regelung bestehen bleiben.