Oft wird beim "Tatort" kritisiert, dass die Dialoge so platt sind. Das kann man vom "Tatort" mit Til Schweiger getrost nicht behaupten. Weil man es nicht weiß: Man hat ja nichts davon verstanden. Mit Spannung war der neue Kommissar in Hamburg erwartet worden, ist doch Til Schweiger ein Schauspieler, der polarisiert. Die einen laufen scharenweise in seine Formelkomödien à la "Keinohrhasen", die anderen halten ihn für das überschätzteste Phänomen der deutschen Filmlandschaft. Am Sonntag hatte er seinen Einstand als Kommissar Tschiller. Verhört wurde weniger, geschossen und geprügelt dafür mehr. Wobei verhört wird auch ganz viel, aber eben vor dem Bildschirm. Denn seit Götz George als Schimanski hat kein "Tatort"-Kommissar mehr so konsequent auf die Verwendung von Vokalen verzichtet.

Die Geschichte zur Kommissars-Einführung war etwas lahm. Mädchenhandel aus dem Osten findet sich in der "Tatort"-Historie mittlerweile mindestens so oft wie entführte Kinder. Dem konnte der neue Kommissar nur mehr Action hinzufügen. Wirklich ärgerlich war nur der Schweigersche Nepotismus, der in jeden Film mindestens eine Tochter mitnimmt. Diesmal ist es Luna und eine talentfreiere Zone hat der Sonntag Abend noch selten gesehen. Für eine Überraschung freilich sorgte sie: Ihre Artikulation ist tatsächlich noch schlampiger als die ihres Vaters. Trotzdem schaffte dieser "Tatort" in Deutschland so viele Zuseher wie seit 20 Jahren nicht: 12,57 Millionen. In Österreich konnte er mit 844.000 Zusehern die beiden letzten Österreich-Folgen nicht einholen. Wie Til Schweiger sagen würde: "Msch nx, Hptschch Zschschrkrd".