Rettungsaktionen wie diese könnten mit Smartphone-Apps künftig schneller und sicherer durchgeführt werden. - © apa
Rettungsaktionen wie diese könnten mit Smartphone-Apps künftig schneller und sicherer durchgeführt werden. - © apa

Am 15. März 2013 ruft ein Berggänger die Polizei in Kufstein an. Sein Begleiter hat eine schwere Schulterverletzung - sie schaffen es nicht alleine zurück. Die Polizei leitet den Anruf um 12.22 Uhr an die Bergrettung in Westendorf weiter, die zuerst nach dem Standort der Berggänger fragt. Sie befinden sich im Bereich der
Ritzeralm, ein kleines Tal mit zwei Bächen und einer Gondelbahn ist in Sichtweite. Genauere Angaben kann der Anrufer aber nicht machen.

Ihm wird empfohlen, die Notfall-App der Bergrettung Tirol auf seinem Smartphone zu installieren. Diese übermittelt um 13.49 Uhr die Koordinaten mit einer minimalen Abweichung von 12 Metern, sodass die Hilfsaktion anlaufen kann. Um 14.56 Uhr erreicht die Bergrettung den Unfallort und fordert sogleich einen Notarzthubschrauber mit Taubergung an. Daraufhin fliegt der Christophorus 4 los, und um 15.15 Uhr erfolgt die Bergung. Die Berggänger werden zum Krankenhaus in St. Johann transportiert.

Bisher gingen 56 Notfälle über die Tiroler Notfall-App ein. Den Vorteil des digitalen Alarms erklärt Peter Veider von der Bergrettung Tirol: "Mit der App ist der genaue Standort eines Verunglückten bekannt. Bergrettung und Hubschrauber treffen dadurch schneller am Unglücksort ein. Und aufwendige Suchaktionen werden ausgeschlossen."

Rund 30.500 Nutzer haben die kostenlose App heruntergeladen. Es gibt sie derzeit zwar nur in Tirol, allerdings werden Notfälle, die außerhalb des Bundeslandes liegen, von der Leitstelle der Bergrettung weitergeleitet. Ein gewisser Zeitverlust ist dann aber die Folge, erklärt Veider.

Der Nachteil von Notfall-Apps: Es braucht ausreichend Mobilfunk-Empfang, damit der Notruf auch abgesetzt werden kann. Das ist in den Bergen aber nicht immer gegeben. Das Schweizer Start-up Uepaa will die Schwachstelle mit seiner im Sommer startenden App beseitigen. Verunglückte sollen auch aus dem Funkloch heraus einen Notruf senden können. Mit Hilfe von Uepaa Net, einer digitalen Wolke, bestehend aus den Smartphones der Berggänger.

Diese stehen in ständigem Kontakt miteinander, sodass sich ein lokales Ad-hoc-Netzwerk aufbaut, das über WLAN läuft und daher unabhängig vom Handynetz ist. Notsignale werden in diesem Netzwerk so lange herumgereicht, bis sie ein Smartphone mit Empfang erreichen - als würde ein Eimer mit Wasser von Feuerwehrmann zu Feuerwehrmann gehen. Matthias Haussmann, Gründer von Uepaa: "Die Kameradenhilfe funktioniert umso besser, je mehr Nutzer die App installiert haben und sich gerade im selben Gebiet befinden."