David Rocasolano, Autor des Enthüllungsbuchs "Adiós, Princesa". - © JuanJo Martín Verlag Editorial Foca
David Rocasolano, Autor des Enthüllungsbuchs "Adiós, Princesa". - © JuanJo Martín Verlag Editorial Foca

Madrid. Es ist nicht das erste Skandalwerk über Prinzessin Letizia. Doch das kürzlich erschienene Enthüllungsbuch "Adiós, Princesa" dürfte der spanischen Krone und dem Prinzenpaar einigen Ärger bereitet haben. Autor David Rocasolano, Cousin von Prinzessin Letizia, schreibt nämlich nicht über den üblichen Klatsch und Tratsch wie angebliche Depressionen oder Letizias Magersucht, sondern verrät unschöne Palastgeheimnisse.

In einem für die Königsfamilie denkbar ungünstigen Moment voller Skandale führt der Autor König Juan Carlos als "rüpelhaften" Egomanen vor, schildert eine versnobte Palastwirklichkeit. Vor allem aber muss seine Cousine einstecken. Aus Angst vor unangenehmen Medienberichten und aus Scham über ihre einfache Herkunft soll die ehemalige Fernsehmoderatorin die eigene Familie tyrannisiert und zerstört haben, so Rocasolanos Vorwurf.

Der Autor berichtet sogar, wie er als Anwalt von Letizia beauftragt wurde, dunkle Flecken aus ihrer Vergangenheit zu verwischen, inklusive einer freiwilligen Abtreibung vor ihrer Beziehung mit dem Kronprinzen, welche wohlmöglich die königliche Hochzeit gänzlich verhindert hätte.

Die Anschuldigungen gegen Spaniens zukünftige Königin sind hart und dürften im Madrider Zarzuela-Palast für Unruhe sorgen. Immerhin stellen Letizia und ihr Ehemann Kronprinz Felipe derzeit die Hoffnung für den Fortbestand der spanischen Krone dar, die wegen diverser Skandale und der gesundheitlichen Probleme des Königs hart angezählt ist. Ist das der Grund, warum das Enthüllungsbuch von vielen großen Tageszeitungen und TV-Sender totgeschwiegen wird? Handelt es sich um Auto-Zensur oder macht gar das Königshaus selber Druck bei Chefredakteuren und TV-Programmdirektoren? Medien sprechen vom "zum Schweigen gebrachten Bestseller".

"Mit Blick auf die jüngsten Skandale schienen sich Spaniens Medien in den vergangenen Wochen von ihren Fesseln bei der Hofberichterstattung gelöst zu haben. Aber nun erleben wir erneut eine Auto-Zensur, um die Monarchie zu schützen", versichert Jesús Espino. Der stellvertretende Leiter des Foca-Verlags, der das Enthüllungsbuch herausgebracht hat, kann es sich ansonsten nicht erklären, warum ein solch brisantes und in den ersten fünf Auflagen bereits vergriffenes Buch von so vielen großen spanischen Medien boykottiert wird. Ein Buch, über das heiß in Internetforen und auf der Straße debattiert wird und welches bei Amazon Spanien seit Wochen unter den Top-Ten der am häufigsten verkauften Bücher geführt wird.

Wie der Verlag erklärt, forderten viele Redakteure überregionaler Tageszeitungen wie "El País" und "El Mundo" Buchexemplare zur Besprechung an. Dennoch wurden die Texte nie veröffentlicht. Sogar zwei große Fernsehsender wollten zur Primetime Interviews mit dem Autor bringen. Doch wenige Stunden vor den Ausstrahlungen wurden die Berichte ohne Erklärungen wieder aus dem Programm genommen. Aus den Redaktionen sind kaum Stellungsnahmen zu bekommen. Einige wollen keine Plattform für einen Racheakt werden. Auch das Königshaus gibt weder Kommentare zum Buch noch zu den Zensur-Vorwürfen.

Schweigen statt schreiben


"Selbst wenn einigen das Thema zu brisant erscheinen könnte oder sie die Institution des Königshauses schützen möchten, verpflichtet das öffentliche Interesse die spanischen Medien, sich des Themas auch anzunehmen", erklärt hingegen die Journalistin Raquel Miguel, die beim spanischen Dienst der Deutschen Presse Agentur (dpa) über das Skandalbuch berichtete. Während ihre Agenturmeldungen in Spanien vor allem von Regionalzeitungen gedruckt wurden, stürzten sich in Lateinamerika alle großen Medien auf das Thema. Der ORF und das ZDF vermeldeten die Veröffentlichung des Buches ebenso wie die "New York Times" oder der "Telegraph". Ganz anders Spaniens Leitmedien.

Traditionell gehen sie sehr behutsam mit der Berichterstattung über das noch bis vor kurzem sehr populäre Königshaus um. Der "Bürgerkönig" Juan Carlos stand für Stabilität und vertrat eher demokratische als monarchistische Werte. Doch Finanzskandale, Seitensprünge, Luxus-Safaris in Afrika und Schweizer Bankkonten haben das Ansehen der Königsfamilie innerhalb der krisengeschüttelten Bevölkerung deutlich sinken lassen. Bei den extrem politisierten Chefredaktionen einiger spanischer Medien ist das anscheinend noch nicht passiert.