Das neue "Wiener Journal" mit neuen Akzenten. - © Foto: Newald
Das neue "Wiener Journal" mit neuen Akzenten. - © Foto: Newald

Wien. Ein neues Design ist ja nicht nur eine Frage von Äußerlichkeiten. Je mehr sich das "Wiener Journal", die farbige Freitagsbeilage der "Wiener Zeitung" inhaltlich weiterentwickelte, desto dringender wurde es, diese Entwicklung auch im Layout sichtbar zu machen, wie es nun, mit der ersten Juli-Ausgabe, geschieht. Ein halbes Jahr dauerten die Diskussionen um die richtige Themen-Mischung. Es ging um die richtige Balance zwischen gesellschaftlich relevanten Cover-Themen und den "schönen Dingen des Lebens". Als sich schließlich abzeichnete, wie die richtige Balance aussehen sollte, war auch die Zeit gekommen, das äußere Erscheinungsbild anzugleichen.

Das Thema "Reisen", um das es in dem ersten Heft in neuer Aufmachung geht, kann auf viele verschiedene Arten abgehandelt werden, sowohl unter dem Gesichtspunkt der Reiselust und des behaglichen Urlaubs, aber auch unter kritischen oder einfach nur originellen Blickwinkeln: Was bringt die jährliche Ortsveränderung überhaupt? Handelt es sich um ein leeres Ritual, um die Jagd nach abgestandenen Klischees? Da muss auch Platz sein für die Sehnsucht eines Angehörigen der Volksgruppe der Roma, die jahrhundertlang zum Reisen gezwungen war, der darum kämpft, sesshaft zu werden und einen festen Platz zu haben.

Oder für einen Bericht über ein alternatives Reisebüro, das sich neben den großen Ketten mit individuellen Angeboten behaupten will.

Mit dieser Betonung der philosophischen Seite des Heftes knüpft das "Wiener Journal" an eine lange Tradition an. Ursprünglich eine Tageszeitung, die seit 1893 erschien, wurde sie bald nach dem Anschluss an Nazi-Deutschland eingestellt. Der legendäre Max Winter, dessen kritische Sozialreportagen über das Leben in Wien in der Ersten Republik Aufsehen erregten, begann seine Karriere im "Neuen Wiener Journal" jener Tage. Zu den prominenten Mitarbeitern zählten Egon Friedell oder Hans Bahr.

Ab 1980 gab Jörg Mauthe unter diesem Titel eine liberal-konservative Monatsschrift heraus, seit 2003 erscheint das "Wiener Journal" als Beilage der "Wiener Zeitung", zunächst monatlich als Magazin, das sich mit Fragen der Zukunft befasst, später dann, ab 2004 als wöchentliche Beilage.

Damit passt es zu dem Anspruch, die "Wiener Zeitung", die journalistische Qualität beständig zu verbessern - in einem permanenten Prozess, der nie endet. Auch das passt eigentlich ganz gut zum Thema Reisen . . .