In der Sommerserie "Tränen gelacht" stellt Radio Ö1 Protagonisten des jüdischen Humors vor: in der Sendereihe "Contra" (sonntags, 22.05 Uhr) bis 25. August. Begonnen hat die Reihe bereits mit den Comedian Harmonists und dem Schicksal ihrer drei jüdischen Mitglieder. Nun folgen die Solokünstler: Georg Kreisler (14. Juli), Gerhard Bronner (21. Juli), Wolfram Berger und Klezmer Reloaded (28. Juli), Karl Farkas (4. August), Hermann Leopoldi (11. August). Dem "Weißen Rössl am Wolfgangsee" oder der "Parodie des operettenhaften Seins" ist die Sendung am 18. August gewidmet; "Jüdischer Humor und Religion" steht am 25. August auf dem Programm.

Fritz Grünbaum (1880 bis 1941), gefragter Kabarettist in Wien und Berlin. - © Foto: BR
Fritz Grünbaum (1880 bis 1941), gefragter Kabarettist in Wien und Berlin. - © Foto: BR

Am Beispiel von Kabarettausschnitten, Programmen und Liedern werden die unterschiedlichen Facetten des jüdischen Humors und des jüdischen Witzes dargelegt. Auch die tragischen Schicksale vieler jüdischer Kabarettisten, Autoren und Interpreten während der NS-Zeit sind Thema der Sendungen. Daraus ergibt sich eine Gratwanderung zwischen Humor und historischen Fakten, zwischen Lachen und Weinen.

Hochblüte der Unterhaltungskultur

Die Ausstellung "Alle meschugge?"im Jüdischen Museum Wien ist hier eine gelungene Ergänzung. Zu erfahren ist einiges über die Wurzeln des jüdischen Humors in Osteuropa, über die Hochblüte der Unterhaltungskultur in Wien und Berlin, über Kabarett, Revue und Film, über die dunklen Jahre des NS-Regimes, die Vertreibung und Ermordung vieler Stars und das Anknüpfen an die Tradition des jüdischen Humors in der Nachkriegszeit.

Hier ist auch einiges über den Wiener Fritz Grünbaum zu erfahren, der bis 1938 in Wien ebenso wie in Berlin ein umjubelter Kabarettist, Schauspieler, Autor und Conferencier war. Ferner werden Karl Farkas, Hermann Leopoldi, Friedrich Hollaender, Kurt Tucholsky und Ernst Lubitsch porträtiert sowie Ephraim Kishon, Billy Wilder, Mel Brooks oder Woody Allen.

Tauben vergiften für Fortgeschrittene

Auf Radio Ö1 steht jedoch am kommenden Sonntag, 14. Juli, die Sendung im Zeichen von Georg Kreisler und unter dem Titel: "Tauben vergiften für Fortgeschrittene." 1938 wartete auf den am 18. Juli 1922 in Wien geborenen Künstler das Schicksal der Vertreibung. Er kam in die USA, 1955 für einige Jahre zurück nach Wien; dann ging es nach München, Berlin, Salzburg, Basel und wieder nach Salzburg, wo er zuletzt lebte und im November 2011 starb. Kreislers schwarze Lieder und analytisch-satirische Milieustudien haben das kabarettistische Chanson im ganzen deutschen Sprachraum geprägt.

Am Sonntag darauf, dem 21. Juli, folgt ein "Symposium": In seinem Mittelpunkt steht Gerhard Bronner. "Tränen gelacht", so nannte der im Jänner 2007 verstorbene Kabarettist, Autor und Komponist eines seiner persönlichsten Programme, in dem er sich mit den Wurzeln des jüdischen Humors auseinandersetzte. Behutsam ist er der Frage nachgegangen, welche Aufgabe und Bedeutung der Witz und die Spaßmacher in der jüdischen Kultur haben.

Begonnen hatte einst alles mit einem Buch Bronners, das unter dem Titel "Tränen gelacht" im Verlag Amalthea erschienen ist. (as)

"Tränen gelacht"
Eine Sommerserie über den jüdischen Humor auf Radio Ö1, jeweils am Sonntag, 22.05 Uhr, "Contra - Kabarett und Kleinkunst" (bis 25. August). - Hintergründe über den jüdischen Witz und Humor liefert auch die Ausstellung "Alle meschugge?"im Jüdischen Museum Wien (bis 8. September). - www.jmw.at