• vom 05.08.2013, 19:04 Uhr

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Update: 26.08.2013, 11:17 Uhr

Archiv

Das visuelle Esperanto des Albert Kahn




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Von Christa Hager

  • Fotoschätze am Rande von Paris
  • Einzigartige Aufnahmen aus den Pionierjahren der Farbfotografie schlummerten Jahrzehnte vor sich hin.

Traditionelle Autoritäten und Dorfbewohner vor dem haus der Kommunalverwaltung von Nam-giu, in Tonkin, im Norden von Vietam. Nach einer Autochrom-Aufnahme von Léon Busy,  im Mai 1915.

Traditionelle Autoritäten und Dorfbewohner vor dem haus der Kommunalverwaltung von Nam-giu, in Tonkin, im Norden von Vietam. Nach einer Autochrom-Aufnahme von Léon Busy,  im Mai 1915.© Musée Albert-Kahn Traditionelle Autoritäten und Dorfbewohner vor dem haus der Kommunalverwaltung von Nam-giu, in Tonkin, im Norden von Vietam. Nach einer Autochrom-Aufnahme von Léon Busy,  im Mai 1915.© Musée Albert-Kahn

"Filme machen aus der Welt virtuell unser Zuhause", befand Siegfried Kracauer 1960. "Sie bilden ein elastisches Gewebe, das sich nur langsam ändert, das Kriege, Epidemien, Erdbeben und Revolutionen überlebt." Als der Filmsoziologe dies schrieb, war der französische Millionär Albert Kahn schon 20 Jahre tot. Überlebt hat ihn sein einzigartiges Archivprojekt, das er zeit seines Lebens aufgebaut hatte. Zwischen 1908 und 1931 schickte er zehn Kameramänner und eine Kamerafrau rund um den Globus, um Material für seine "Archives de la Planète" zu sammeln: sie kamen mit mehr als rund hundert Stunden Stummfilm und 70.000 Farbfotos, die ersten ihrer Art, zurück. Das Archiv konserviert bis heute diese Film- und Foto-Schätze, die erst jetzt von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

Kahns Idee war, die visuelle Darstellung des alltäglichen Lebens aus allen Teilen der Welt für ein besseres Verständnis für Menschen und Kulturen zu nutzen, als Grundlage für eine friedliche Welt. Der Alltag sollte die politische und kulturelle Wirklichkeit beleben, und seine Kameraleute sollten die Realität so wiedergeben, wie sie war. Diese Darstellungen bildeten gleichsam die Grundlage für eine Art visuelles Esperanto, das durch die rasche Verbreitung des Tonfilms ein jähes Ende fand.


Albert Kahn, geboren 1860 im Elsass, gehörte bereits im Alter von 30 Jahren zu den bedeutendsten europäischen Unternehmern, sein Vermögen stammte vorwiegend aus Spekulationen mit südafrikanischen Gold- und Diamantenminen. Im Alter von 19 Jahren zog er nach Paris, arbeitete als Bankangestellter und studierte Literaturwissenschaften und Jus. Während seines Studiums lernte er den Philosophen Henri Bergson kennen, der zum Mentor und lebensbegleitenden Freund Kahns wurde. 1892 stieg Kahn zum Direktor und Teilhaber des Bankhauses Goudchaux in Paris auf - ein steiler und rascher Aufstieg besonders für einen Mann aus einfachen Verhältnissen.

Farbfotos dank Erdäpfel

Den Grundstein für sein Archiv wiederum fand Kahn während einer Geschäftsreise in Japan und China, als sein Chauffeur, zuvor in die hohe Kunst der Fotografie eingeschult, stereofotografische Schwarz-Weiß-Negative machen musste. Bald darauf folgten professionelle Fotografen mit dem letzten Schrei: die autochrome Farbfotografie, von den Gebrüdern Lumière 1907 auf den Markt gebracht. Das verhältnismäßig unkomplizierte Verfahren, Farbfotos zu machen, bediente sich der lichtfilternden Eigenschaft der Stärke aus Erdäpfeln: mittels einer Glasplatte, die mit orangerot, grün und violettblau eingefärbten Kartoffelstärkekörnchen und einer Bromsilber-Gelatine-Emulsion beschichtet wurde, entstanden nach der Belichtung scheinbar homogene Farbfläche, die bei genauer Betrachtung allerdings mehr einem pointilistischen Gemälde ähnelte als dem Motiv.

weiterlesen auf Seite 2 von 3

Im Garten des Albert Kahn






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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-08-02 11:37:06
Letzte Änderung am 2013-08-26 11:17:50


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