• vom 28.08.2013, 15:48 Uhr

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Update: 08.10.2013, 20:19 Uhr

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Es gibt wieder ein Festbankett!




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Von Johannes Wetzel aus Paris

  • Asterix hat neue Eltern: Albert Uderzo hat den Gallier an zwei Nachfolger übergeben
  • Im Oktober erscheint "Asterix bei den Pikten" - eine schwere Geburt.

Neue Richtung? Zeichner Albert Uderzo und Anne, die Tochter von René Goscinny, haben Asterix freigegeben. - © apa

Neue Richtung? Zeichner Albert Uderzo und Anne, die Tochter von René Goscinny, haben Asterix freigegeben. © apa

Das kleine gallische Dorf bleibt vorerst unbesiegt: Am 24. Oktober erscheint in Frankreich "Asterix bei den Pikten" und damit das erste Heft ohne die beiden Erfinder der mit 350 Millionen verkauften Heften phänomenal erfolgreichen Comicserie. Der Texter René Goscinny war 1977 gestorben. Nach 24 gemeinsamen "Asterix"-Heften begann der Zeichner Albert Uderzo damals, die Serie alleine fortzusetzen. Die neuen Hefte erreichten zwar nie den Witz der früheren - aber dennoch Millionenauflagen. 2008 legte der damals 80-Jährige den Zeichenstift aus der Hand. Asterix, erklärte er, würde mit ihm verschwinden. Die Tochter und Erbin Goscinnys allerdings war schon damals anderer Ansicht: "Asterix ist stark genug, um seine Erfinder zu überleben." Schließlich gelang das auch Comicfiguren wie Lucky Luke oder den Schlümpfen. Jetzt ließ sich der heute 86-Jährige überzeugen, Asterix, Obelix und Co. freizugeben. Mehr als ein Comic, ein Stück französischen Kulturerbes liegt nun in den Händen des Texters Jean-Yves Ferri und des Zeichners Didier Conrad.

Dieselben Stifte wie Uderzo
Auf diese Fortsetzung drängte auch der Verlagsriese Hachette, der mit einer Handvoll Sesterzen gewunken haben dürfte. Hachette besitzt die Editions Albert René, wo "Asterix" erscheint. Die Editions Albert René hatte Uderzo 1979 nach Goscinnys Tod und einem Streit mit den Editions Dargaud gegründet, wo der Comic bis dahin erschien. Albert Uderzo und seine Tochter Sylvie hielten einen Anteil von je 40 Prozent am neuen Verlag, Anne Goscinny 20 Prozent. Es kam bald zu einem Familienzwist, der sicher mitschuld daran ist, dass Uderzo die Lust an "Asterix" verlor. Hachette kaufte alle Anteile und hofft auf eine erfolgreiche Investition: Mit einer Auflage von mehr als zwei Millionen Exemplaren ist das angekündigte 35. Asterixheft das Verlagsereignis der Saison.


Der neue Asterix soll den alten aufs Haar gleichen. Die vor drei Jahren begonnene Suche nach den Adoptiveltern gestaltete sich daher schwierig. Albert Uderzo und Anne Goscinny sichteten die Vorschläge und entschieden sich für Ferri, der dann binnen sechs Monaten den Text für ein neues Opus verfasste. Aber der designierte hauseigene Zeichner, Frédéric Mébarki, seit 25 Jahren Uderzos rechte Hand, scheiterte beim Versuch, die Geschichte in Bilder zu fassen. In einem erneuten, geheimen Wettbewerb siegte Conrad. Die neuen Eltern waren gefunden.

Conrad soll wie Uderzo zeichnen - der das alles kontrolliert. Conrad studierte die Originalzeichnungen, arbeitet mit demselben Papier, mit denselben Stiften wie Uderzo. Uderzo verlangte viele Korrekturen - ein Schimmer im Auge von Asterix, die Zahl der Streifen auf Obelix’ Hose. Binnen neun Monaten lieferte Conrad die geforderten 44 Seiten ab und verlor 18 Kilo. Bleibt abzuwarten, wie lebendig solche Kopien sein können. "Bis repetita placent", wie der Lateiner unter den Piraten sagen würde.

Ferri muss seinerseits in die Haut von Goscinny schlüpfen. Seine Geschichten sollen wie jene Goscinnys klingen, aber kein Pastiche sein. Es soll ein Comic der 1970er Jahre werden und doch nicht altbacken wirken, obwohl sich Stil und Rhythmus der Comics radikal verändert haben. In "Le Monde" analysierte Ferri "Asterix auf Korsika": "Zum Teil sehr intellektuelle Gags, aber eine fast kindlich einfache Erzählung." Das ist bisher nicht Ferris Spezialität: Hefte wie "De Gaulle am Strand" (über Frankreichs Nationalhelden) oder "Aimé Lacapelle" (einen Bauern und Polizisten in der französischen Provinz), die Ferri auch selbst zeichnete, sind Erwachsenen-Comics voller Ironie und Understatement.

"Asterix bei den Pikten" erzählt in bester Asterix-Tradition eine Auslandsreise - zu den Völkern Schottlands, die die Römer Pikten nannten. Man weiß schon, dass ein Wassermonster darin vorkommt sowie ein gewisser Mac Oloch, Schotte im Kilt mit gelbgrünem Tartan-Muster, Pferdeschwanz und Brusttätowierung. Er ist eine Hommage an Goscinny und Uderzo, denn er soll an Umpah-Pah erinnern - den Indianer, den Goscinny und Uderzo noch vor Asterix erfanden. Und natürlich endet alles mit einem Festbankett. Wie die Geschichte für Ferri und Conrad ausgeht und ob ihr Vertrag verlängert wird, hängt vom Erfolg des Heftes ab. Noch ist das Überleben der Gallier nicht dauerhaft gesichert.




Schlagwörter

Medien, Comic, Asterix neu

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-08-28 15:53:03
Letzte Änderung am 2013-10-08 20:19:18


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