Frankfurt/Berlin. Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Die "Welt" zitierte am Donnerstag aus einer Urteilsbegründung des Landgerichts Frankfurt. Richterin Claudia Müller-Eising schreibt darin, Ulla Unseld-Berkéwicz habe sich "grob treuwidrig" gegenüber den Mitgesellschaftern verhalten. Die Feststellung einer groben Treuwidrigkeit könne grundsätzlich staatsanwaltschaftliche Ermittlungen nach sich ziehen, schreibt das Blatt. Gegen Unseld-Berkéwicz werde derzeit aber nicht ermittelt.

Unseld-Berkéwicz hält über die Familienstiftung 61 Prozent des Verlags, Hans Barlach über seine Medienholding AG 39 Prozent. Die verfeindeten Eigentümer befehden sich seit Jahren vor Gericht. Seit 6. August läuft in Berlin ein Insolvenzverfahren. Eine Woche später bestätigte das Landgericht Frankfurt eine Einstweilige Verfügung von Barlach, mit der er erwirkte, Gewinnforderungen für 2010 und 2011 der Suhrkamp Familienstiftung zurückzustellen.

"Durch das Insolvenzverfahren droht der Gesellschaft ein schwerer, nicht wieder gut zu machender Schaden", schreibt Müller-Eising in der Urteilsbegründung. Sie äußerte auch "erhebliche Zweifel an der Plausibilität der vorgelegten Überschuldungsbilanz". Noch im Jänner 2013 habe Unseld-Berkéwicz in einem Interview erklärt, der Verlag sei "wirtschaftlich gesund und praktisch schuldenfrei".