• vom 03.09.2013, 16:59 Uhr

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Die Kaputt-Strategie




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Von Andreas Lorenz-Meyer

  • Im Netz formiert sich Widerstand gegen den geplanten Verschleiß von Smartphones und Notebooks
  • Wie man mit den berüchtigten iPhone-Schrauben fertig wird.

Es geht subtiler: Beim geplanten Verschleiß ist der Effekt derselbe - man kauft ein neues Gerät. - © corbis

Es geht subtiler: Beim geplanten Verschleiß ist der Effekt derselbe - man kauft ein neues Gerät. © corbis

In vielen elektronischen Geräten steckt ein kleines Teil, das sich Elektrolytkondensator nennt, kurz Elko. Dieser Grundbaustein von Monitoren und Netzteilen muss viel aushalten. Häufig befindet er sich in der Nähe von Wärme-abgebenden Bauteilen. Und die Regel lautet: Je zehn Grad Temperaturerhöhung halbiert sich die Lebensdauer des Kondensators. Wenn der Monitor zu flackern beginnt oder sich von selbst ausschaltet, könnte es daran liegen, dass der Elko zu viel Wärme abbekommen hat.


Steckt Kalkül hinter der ungünstigen Positionierung? Reduzieren Hersteller - auf diese oder andere Weise - die Haltbarkeit ihrer elektronischen Produkte? Den Firmen wird diese Masche immer wieder vorgeworfen. Von geplantem Verschleiß oder geplanter Obsoleszenz ist die Rede. Die Geräte würden mit Schwachstellen versehen, damit sie früher kaputtgehen - natürlich erst nach Ablauf der Garantie. Der Konsument lege sich dann, wie beabsichtigt, ein neues Gerät zu. Und die Firma streiche satte Gewinne ein.

Mangel mit System
Der Verein für Konsumenteninformation in Wien startete eine Online-Umfrage dazu. Von 785 Teilnehmern meinten 55 Prozent, hinter frühzeitigem Verschleiß stecke System. 40 Prozent waren der Auffassung, Obsoleszenz sei zumindest in manchen Branchen üblich. Von Einzelfällen gingen 4,1 Prozent aus. Und 0,5 Prozent hielten die Diskussion für "maßlos übertrieben".

Ein Gutachten aus Deutschland bezeichnet geplanten Verschleiß als "Massenphänomen" und attestiert den Herstellern "kreative Destruktivität". Es nennt typische Schwachstellen, die absichtlich in Geräte eingebaut werden. Etwa die Plastikfederungen hinter dem Ein-Aus-Schalter von PCs, die schnell ermüden. Oder die mangelhaft konstruierten Netzteilbuchsen, die einen Wackelkontakt verursachen. Das Argument, haltbarere Bauteile würden den Preis in die Höhe treiben, lassen die Autoren nicht gelten: Dadurch verteuere sich ein Gerät nur um Centbeträge. Im Gutachten steht auch, dass Reparaturen bewusst behindert werden, um einen Neukauf zu erzwingen, etwa durch verklebte Notebook-Gehäuse. Die Forderung: Fehlende Reparierbarkeit muss zum Sachmangel erklärt werden.

Wahrnehmungsschwelle
Christian Kreiß, Professor für Ökonomie an der Hochschule Aalen und einer der Autoren des Gutachtens, beschreibt die Absicht hinter geplantem Verschleiß: "Die Unternehmenseigentümer, meist kapitalmarktgetriebene Großfirmen, wollen den eigenen Gewinn erhöhen. Dabei darf der Endverbraucher nicht zu stark enttäuscht werden, sonst würde er zur Konkurrenz abwandern. Der geplante Verschleiß muss unter der Wahrnehmungsschwelle bleiben."

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