Das Gutachten rechnet vor, welche volkswirtschaftlichen Folgen die Trickserei hat. In Deutschland gingen etwa 7 Prozent aller Ausgaben privater Haushalte auf geplanten Verschleiß zurück. Ein Verbot würde Kaufkraft in Höhe von jährlich 101 Milliarden Euro freisetzen. Zudem könnten sieben Müllverbrennungsanlagen, etwa jede zehnte, auf einmal schließen. Denn 9,6 Millionen Tonnen Müll - etwa 120 Kilogramm pro Jahr und Kopf - habe allein der geplante Verschleiß zu verantworten. Drittens würde der Energieverbrauch um mindestens 3 Prozent sinken. Das Energieäquivalent von 16 Großkraftwerken könnte sofort eingespart werden - ohne jeglichen Verlust an materiellem Wohlstand.

Kreiß hält den Renditedruck auf den Kapitalmärkten für den entscheidenden Auslöser von geplantem Verschleiß. Solange sich Firmen am Shareholder Value orientieren, würden sie automatisch in die Früh-kaputt-Strategie getrieben. Zudem würde der bestraft, der nicht mitspielt. Er habe mit Umsatzverlusten und sinkenden Marktanteilen zu kämpfen. Dennoch gebe es einen Ausweg: Der Renditedruck muss reduziert werden, etwa durch umlaufgesichertes Geld. Dann versiege auch die eigentliche Quelle des Übels: die Fixierung auf Gewinne.

Madsen Pirie, Präsident des libertären Adam Smith Instituts in London, nennt geplanten Verschleiß einen Mythos. Es liege nicht an den Produzenten, sondern an den Konsumenten. Momentan würden sie kurzlebige Produkte bevorzugen. Wollten sie langlebige, dann würden sie auch dafür zahlen.

Phantomdebatte?


Hinter mangelhaften Konstruktionen soll Absicht stecken - aber wer hat den Beweis? Solange dieser schwierig zu erbringen ist, können die Hersteller dementieren oder von einer Phantomdebatte sprechen. Vielleicht setzt sie ein neues Gütesiegel unter Druck. "HTV Life" zeichnet Produkte aus, die keine Verschleißmechanismen enthalten. Bei der Prüfung werden unter anderem Elektronenmikroskope und 3D-Röntgentechnik verwendet. Zudem muss der Hersteller eine eidesstattliche Erklärung abgegeben haben.

Nutzer können sich auch Hilfe aus dem Netz holen. "I fix it" (Ich repariere es) gibt detaillierte Anleitungen zur Reparatur von defekten Teilen. Die Macher der Seite verkünden: "Wir glauben, dass alle das Recht haben, ihre Geräte zu reparieren." Auch ein iPhone 4 wird auseinandergenommen. Allerdings muss dafür erst ein Hindernis aus dem Weg: die berüchtigten Pentalobe-Schrauben. Sie lassen sich nur mit Spezialschraubendrehern lösen. Ansonsten bleibt das Gehäuse verschlossen - und der Nutzer kann nichts reparieren. "I fix it" will von Apples "Hardware-Fesseln" befreien. Auf der Seite wird für zehn US-Dollar ein "Liberation Kit" angeboten. Es enthält passendes Werkzeug, um die garstigen Schrauben endgültig loszuwerden.