• vom 10.10.2013, 16:42 Uhr

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Update: 10.10.2013, 18:46 Uhr

Buch

Auf ins "Litricon-Valley"




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Von Ulrich Glauber

  • Gedrucktes Buch und digitale Produkte auf der Buchmesse in trauter Koexistenz
  • Elektronisches Publizieren bietet Chancen für junge Autoren und Verlage.

Bei Jugendbüchern werden gerade einmal sechs Prozent als E-Book verkauft. - © apa

Bei Jugendbüchern werden gerade einmal sechs Prozent als E-Book verkauft. © apa

Frankfurt. Angekündigte Revolutionen finden selten statt. Noch hat das E-Book seinen oft prophezeiten Siegeszug nicht angetreten. In den Messehallen der Frankfurter Buchmesse, die noch bis zum Wochenende dauert, dominiert nach wie vor das klassische Papier zwischen zwei Buchdeckeln. "Gedruckte Bücher werden für uns immer wichtig bleiben", unterstreicht selbst der Vorstandschef des weltgrößten Publikumsverlags Penguin Random House, Markus Dohle. Dabei hat das zur Bertelsmann-Gruppe gehörende Unternehmen gerade mit dem Sadomaso-Titel "Shades of Grey" den größten Erfolg seiner Geschichte eingefahren, die Hälfte davon durch elektronische Verbreitung.


Auch für den klassischen Buchhandel sind auf der Bücherschau mit ihren 7100 Ausstellern aus 100 Ländern beruhigende Töne zu hören. Für dtv-Geschäftsführer Rudolf Frankl können nur "über die Buchhandlungen neue Bücher eingeführt werden". Beim Bücherkauf richten sich laut einer Untersuchung des IT-Branchenverbandes Bitkom zwar mehr als zwei Drittel der Befragten nach Tipps ihres Umfelds, 44 Prozent stöbern aber auch gerne in Buchläden und 29 Prozent folgen Anregungen ihres Buchhändlers. Allerdings lässt sich nicht leugnen, dass Internet-Großverteiler wie Amazon den klassischen Läden zusetzen. Neben Image-Problemen des Vertriebsriesen wegen seines Umgangs mit seinen Beschäftigten hofft die Branche allerdings, durch das mit einem Kampfpreis in den Markt gedrückte Lesegerät Tolino - ein Gerät mit eingebautem Zugang zum eigenen Online-Shop - verlorenes Terrain zurückzugewinnen.

Denn die elektronischen Veröffentlichungsformen greifen allmählich, auch wenn langsamer als prognostiziert. Die meisten Verlage verzichten nicht mehr auf das E-Book: 84 Prozent bieten bereits elektronische Bücher an oder werden das bald tun, nur 16 Prozent planen weiter ohne. Mehr als die Hälfte der neuen Titel gibt es laut dem Branchenverband Börsenverein des deutschen Buchhandels in elektronischer Fassung. Noch werden damit bei Jugendbüchern und bei Belletristik vorwiegend aus Unterhaltungsbereichen Erotik, Fantasy und Science Fiction nur etwa sechs Prozent des Umsatzes gemacht, das E-Book-Geschäft soll sich laut Branchenkennern in diesem Jahr allerdings bei doch schrumpfendem Gesamtmarkt verdoppeln.

Zunächst verschafft dieser Trend den Branchengrößen Vorteile, die mit riesigen Werbeetats neue Autoren und Bücher in die Online-Welt drücken können. Auch deutschsprachige Verlage aus kleineren Ländern wie Österreich oder der Schweiz müssen nach Expertenansicht aufpassen, dass sie nicht von der Konkurrenz aus Deutschland überrollt werden. Allerdings bergen die relativ geringen Produktions- und Vertriebskosten umgekehrt auch Chancen, mit den eigenen Angeboten im größeren Nachbarland zu landen.

Kleine Start-ups freuen sich
über elektronische Bücher
Welche Möglichkeiten die digita-le Bücherwelt bietet, zeigt sich
bei der 65. Buchmesse in der Mainmetropole, die mit einer Unzahl von Start-ups das Abbild eines "Litricon-Valley" darstellt. Das reicht von Verlagen wie Dotbook, der sich auf reines E-Publishing konzentriert, über Neugründungen wie die Online-Plattform Sobooks, die Bücher in Form von Webseiten vermarkten will, bis hin zu Software-Entwicklern zur Einrichtung elektronischer Büchereien.

Vor allem bietet die Möglichkeit zum billigen Herstellen und Vermarkten auf elektronischem Weg dem Trend zum Self-Publishing Nahrung. Vor einigen Jahren noch verlacht, ist den Verlegern der eigenen Bücher inzwischen ein Schwerpunkt der Messe gewidmet, die an den beiden Schlusstagen am kommenden Wochenende für das allgemeine Publikum öffnet.

Zwar wird sich für die überwiegende Masse der selbstvermarktenden Autoren der Traum nicht erfüllen, von der Schriftstellerei leben zu können. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt: Schließlich haben auch Marcel Proust und die Autorin der "Shades of Grey"-
Trilogie E.L. James alias Erika Leonard ihre Weltbestseller zunächst im Eigenverlag herausgebracht.




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Buch, E-Books

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-10-10 18:44:04
Letzte Änderung am 2013-10-10 18:46:19


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