Die Rechnung ist einfach: Wenn jemand für ein Projekt Geld benötigt, dann kann er entweder versuchen, einen großen Investor von seiner Idee zu überzeugen, oder viele kleine. "Crowdfunding", also die Finanzierung über die breite Masse, ist erst durch das Internet und soziale Netzwerke möglich geworden und erfreut sich seit einigen Jahren großer Beliebtheit. Mit etwas Verspätung kam der Trend aus den USA auch in Österreich an, mittlerweile werden vor allem Projekte aus der Kreativ-Wirtschaft über diesen Finanzierungsweg realisiert.

Besonders beliebt ist Crowdfunding bei unabhängigen Filmschaffenden, jedoch gibt es keine Garantie für den Erfolg: Eine Bud-Spencer-Doku zweier Österreicher wurde bereits in drei Etappen erfolgreich teilfinanziert, fertiggestellt wurde der Film bisher nicht. Auch Profi-Filmer versuchen sich mittlerweile im Sammeln von Geld: Die Filmproduktion "Die Mamba" mit Christoph Maria Herbst und Michael Niavarani, die vor Weihnachten in die Kinos kommen soll, ist bereits mit einem regulären Budget abgedreht worden, versuchte ihr Glück aber auch auf der deutschen Crowdfunding-Plattform startnext.de: Von den 100.000 erhofften Euros kamen hier nur 1380 zusammen.

Erfolgreicher, weil auch mit einem überschaubarerem Ziel, ist der Grazer Filmregisseur Jakob M. Erwa, dessen Spielfilmprojekt "HomeSick" derzeit unter www.startnext.de/homesick-film nach Investoren Ausschau hält. Bei Redaktionsschluss waren 8400 Euro von den angepeilten 11.111 finanziert, in sechs Tagen läuft die Aktion ab.

Hopp oder dropp

Erreicht ein Projekt am Ende der Laufzeit seine angepeilte Summe nicht, verfallen auch die bereits zugesagten Gelder. "Alles oder nichts, das ist das Wesen von Crowdfunding, und das ist eigentlich auf allen Plattformen gleich", weiß Wolfgang Gumpelmaier, der sich auf soziale Medien und Crowdfunding spezialisiert hat. "Es gibt zwar Plattformen wie Indiegogo.com, die auch auszahlen, wenn weniger erreicht wird, aber das sind Ausnahmen."

Damit Regisseure wie Erwa ihr Ziel erreichen, müssen sie viel netzwerken. "Unser Arthouse-Psychothriller wird frei und unabhängig von herkömmlicher Sender- und Förderpolitik von den Kreativen selbst produziert. Es reicht daher nicht, bloß eine Projektbeschreibung online zu stellen", so Erwa. "Man muss den Leuten regelmäßig neue Infos über den Fortgang des Projekts bieten, muss Anreize schaffen, damit sie mitgehen." Crowdfunding sei schließlich kein Spendengeld, "sondern die Unterstützer erwarten sich etwas dafür", so Erwa. Im konkreten Fall von "HomeSick" kann man je nach Höhe der Fördersumme am Ende im Filmabspann aufscheinen, am Testscreening teilnehmen oder einen Tag am Set verbringen. "Crowdfunding ist Sponsoring, und je exklusiver die Idee der Belohnung ist, desto besser werden Projekte finanziert", sagt Gumpelmaier. Er schätzt, dass die Hälfte der Projekte zustande kommen.

Im internationalen Vergleich hinkt Österreich noch hinterher. "Es gibt bis heute keine eigene heimische Crowdfunding-Plattform", so Gumpelmaier. "Man muss also zum Beispiel auf eine deutsche Seite ausweichen". Weltweit boomt Crowdfunding jedenfalls: Das Volumen hat sich innerhalb eines Jahres verdoppelt: Eine Million Projekte brachten insgesamt 2,7 Milliarden Dollar zusammen. Für 2013 rechnet man mit 5,1 Millionen Projekten.

Auch Hollywood hat das System entdeckt: Zahlreiche Stars werben für ihre Projekte, und der größte bisherige Crowdfunding-Erfolg betraf den Film "Veronica Mars" mit Kristen Bell. Der sammelte von 91.000 Spendern 5,7 Millionen Dollar, obwohl er nur zwei Millionen brauchte.