Wien. Seit vergangener Woche prüft eine Kommission im ORF die Auftragsvergaben im Kreativbereich durch die ehemalige ORF-Generaldirektorin und jetzige "wilde" Nationalratsabgeordnete Monika Linder. Gegen diese werden immer neue Vorwürfe laut, sie haben ihrem Vertrauten, dem Werber Günter Lebisch, lukrative Aufträge in ihrem Umfeld zukommen lassen. Seit Lindners Bestellung zur Landesdirektorin des Landesstudios NÖ 1998 sollte ursprünglich geprüft werden. Doch das Mandat weitet sich gerade aus: Denn die Aufträge Lindners an Lebisch gehen weiter zurück als ursprünglich gedacht.

Mit der Sache vertraute Mitarbeiter des ORF erinnern sich im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" noch lebhaft an Lindners Zeit als Sendungsverantwortliche von "Willkommen Österreich" ab 1995, damals die Nachmittags-Service-Leiste des ORF. Zum Zwecke der Promotion dieses Formates wurde, wie damals in weiten Teilen des ORF üblich, ein Klub gegründet, in diesem Fall der "Klub Willkommen Österreich". Dieser produzierte unter anderem ein Werbemagazin oder veranstaltete Reisen. Die Magazin- und Print-Gestaltung wurde schon damals extern vergeben - an Günter Lebischs Agentur.

So weit nicht weiter ungewöhnlich. Doch die Finanzgebarung des als Verein organisierten Klubs dürfte aus dem Ruder gelaufen sein. Stand der Verein doch nach etlichen Agentur-Rechnungen später mit einem Minus von mehr als drei Millionen Schilling da, wie sich ORF-Mitarbeiter erinnern. Dieses Minus wurde, wie man hört, über längere Zeit über einen externen Partner des ORF mit Werbegeldern "abgearbeitet". Fazit: Auch diese Gebarung steht nun auf der Prüfliste. Im ORF will man unter Hinweis auf die laufende Prüfung im Detail nicht Stellung nehmen.

Tatsächlich ergeben auch Recherchen von "Falter" und "profil" ein konsistentes Bild des Duos Lindner-Lebisch. Sobald Lindner in einer Funktion auftauchte, folgten oft kurze Zeit darauf Aufträge an die Agentur ihres Vertrauten. Das war laut "profil" im Landesstudio Niederösterreich so und später auch in Lindners Zeit als ORF-Generaldirektionen, als Lebisch für die Image-Kampagnen und das Marken-Redesign zuständig wurde. Die Rede ist von mehr als 1,7 Millionen Euro an externen Honoraren, die in dieser Zeit ohne Ausschreibung an die Agentur geflossen sein sollen.

Lindner stets im Doppelpack

Das Bild setze sich auch nach Lindners unfreiwilligem Ausscheiden aus dem ORF fort, als sie die schwächelnde Werbeagentur EPAmedia im Raiffeisen-Umfeld übernahm. Auch dort trat Lebisch kurze Zeit danach als Gestalter der Eigenwerbung auf. Das Unternehmen wurde übrigens kürzlich mit einer Mitgift im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich an ein slowakisches Unternehmen verkauft.

Insider wunderte es daher wenig, dass die Agentur Lebisch auch bei den Organisationen auftauchte, in denen Lindner ehrenamtliche Funktion hatte, etwa bei der Kinderkrebsforschung, dem Roten Kreuz oder dem Hilfswerk Austria. Erstere trennte sich kürzlich unfreundlich von Lindner. Die Rede war dabei laut "Falter" von aus Spendengeldern bezahlten Druckaufträgen. Man will dort keine Ahnung gehabt haben, dass zwischen Lindner und Lebisch ein Naheverhältnis bestehe. Lindner bestritt die Vorwürfe. Dass sie mit Lebisch eine berufliche und persönliche Freundschaft verbinde, sei dem Vorstand des Vereins seit Jahren bekannt gewesen.