Weiße Mäuse verdichten sich in Ina Loitzls Beitrag zu Haar und Spitzenkragen. - © Ina Loitzl
Weiße Mäuse verdichten sich in Ina Loitzls Beitrag zu Haar und Spitzenkragen. - © Ina Loitzl

Wien. Sie erforscht menschliche Organe, betreibt Body Art, gestaltet Rauminstallationen, fotografiert und macht Objektkunst und Trickfilme. Die Werke der österreichischen Künstlerin Ina Loitzl umfassen ein sehr breites Spektrum. Bewusst setzt die gebürtige Kärntnerin die Eigenheiten verschiedener Medien ein, um unterschiedliche Sinneserfahrung zu erzeugen. Für ihren Beitrag beim heurigen Content Award Vienna entschied sie sich für einen Trickfilm in Form eines persönlichen Faceliftings an einer mehr als alten Dame. "Der lieben Maria Catarina Gräfin von Lerchenfeldt, geborene Gräfin Starhemberg, 1743", heißt der Kurzfilm, der gemeinsam mit dem Beitrag "Telefonbuchpolka" von der Wiener Gruppe Neuer Österreichischer Trickfilm aus den Einreichungen für den Content-Award-Partnerpreis der "Wiener Zeitung" ausgewählt wurde - wegen der subtilen Kritik, die in beiden Kurzfilmen humorvoll umgesetzt wurde.

Warum sich Loitzl gerade für die trickfilmhafte Manipulation eines Porträts dieser alten Dame, Tochter eines bedeutenden Habsburger-Kriegsherren, entschieden hat? "In Zeiten, in denen Frauen trotz ihrer Begabungen und ihres Tatendrangs in ihrer passiven Rolle gefangen waren, mussten sie einfach hysterisch werden, oder? Und da kam es wohl leicht vor, dass sie weiße Mäuse sahen."

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An weißen Mäusen scheint sie Gefallen zu finden, bereits 2010 waren in ihrer Mausefalle im Rahmen der Ausstellung "schönschaurig" diese Tiere zu sehen. "Etwas nicht existentes Animalisches zu sehen, das kann nur verrückt machen." Die Maus steht in Loitzls Werken zum einen als Symbol für den alltäglichen Wahnsinn, den Menschen oft bewältigen müssen, zum anderen für Fadesse und Unzufriedenheit.

Subtile Kritik

Ina Loitzl, Jahrgang 1972, studierte am Mozarteum in Salzburg Grafik und Visuelle Medien. Sie lebt und arbeitet in Wien. - © Foto: ZIT
Ina Loitzl, Jahrgang 1972, studierte am Mozarteum in Salzburg Grafik und Visuelle Medien. Sie lebt und arbeitet in Wien. - © Foto: ZIT

Dass man Kritik sehr leicht mit Humor verbinden kann, schätzt die Künstlerin am Medium Trickfilm besonders. "Man kann Gewohntes anziehen, und durch die versteckte Ironie gleichzeitig wieder verstören." Themen, die sich dazu eignen, findet man in ihren Werken genug, sie reichen von Gewalt, Feminismus über Heimat bis hin zu Umweltzerstörung oder Armut. Und mit Trickfilmen lassen sich diese außerdem leichter umsetzen als im Realfilm: Sie erzählt nicht, sondern lässt die Themen wie beim Grübeln, beim Brainstormen, auftauchen.

"Der lieben Maria Catarina Gräfin von Hohenfeld, geborene Gräfin Starhemberg +1743"

Ihre Filme vergleicht sie daher mit "Runden Tischen", an denen verschiedene Ansätze angerissen werden, an denen aber nach jeder Gesprächsrunde vieles offen bleibt. Und diesen Freiraum möchte sie den Betrachtern und Betrachterinnen überlassen.

Zur Langfassung des Interviews mit Ina Loitzl kommen Sie hier >>>>>