Die Missy-Frauen machen lieber Journalismus, als sich mit Kochrezepten herumzuquälen. Dass sie dabei sehr viel Spaß haben, merkt man nicht nur dem Pressefoto, sondern auch den Texten an. - © Franziska Sinn
Die Missy-Frauen machen lieber Journalismus, als sich mit Kochrezepten herumzuquälen. Dass sie dabei sehr viel Spaß haben, merkt man nicht nur dem Pressefoto, sondern auch den Texten an. - © Franziska Sinn

Wien. "Für diese Kegeln musst du nicht in den Verein: Kegelballs oder auch Lustkugeln stärken den Beckenboden und sorgen damit angeblich für intensivere Orgasmen": in dieser Rubrik des "Missy Magazins" erfahren Leserinnen Wissenswertes über Sex. Auch feministische Pornos oder Sexspielzeug haben die Redakteurinnen an dieser Stelle schon getestet und bewertet. Wie immer steckt in den Texten viel Ironie, Tabus gibt es so gut wie keine: "Wir haben ,Muschi-Hanteln im Test‘ auch aufs Cover geschrieben", erzählt Sonja Eismann, eine der Herausgeberinnen und Mitbegründerinnen der alternativen Frauenzeitschrift aus Berlin.

Frust macht erfinderisch


Heuer feiert die "Missy" ihr 5-jähriges Bestehen. Die Idee, ein feministisches Magazin für Popkultur zu gründen, war 2008 entstanden, als Steffi Lohaus in den Weihnachtsfeiertagen etliche Ausgaben des feministischen Popkultur-Magazins "Bust" verschlungen hatte und meinte: "Das müssen wir auf Deutsch machen." Gemeinsam mit Eismann und Chris Cöver stampfte sie bald drauf die erste "Missy" aus dem Boden. Möglich wurde das mit 25.000 Euro Preisgeld einer Internetseite, die es inzwischen nicht mehr gibt.

Das Cover der Jubiläumsausgabe der Missy.
Das Cover der Jubiläumsausgabe der Missy.

Angetreten waren Eismann, Cöver und Lohar, um das nach wie vor männlich dominierte Feld der Popkultur zu erobern. Denn wenn sie Magazine wie "Spex", "Rolling Stone" oder "Intro" lasen, waren sie frustriert: "Es waren fast nur Männer abgebildet, und Frauen wurden nur als sexy Akteurinnen anstatt als tolle Musikerinnen dargestellt." Zwar wurde der Beititel "Popkultur für Frauen" bald abgelegt, doch nach wie vor ist in der "Missy" viel Platz für Rezensionen, besprochen wird vornehmlich Musik von Frauen. Doch inzwischen finden sich auch lange politische Artikel im Blatt, damit kamen die Macherinnen einem Wunsch der Leserschaft nach.

Die Kritik, sie würden "Feminismus light" betreiben, hat die "Missy"-Redaktion nie ernst genommen: "Unser Feminismus ist nicht verwässert. Wir betrachten bestimmte Felder aus feministischer Sicht", sagt Eismann. Vielleicht hat die Kritik auch damit zu tun, dass das Magazin alles andere als theoretisch-verstaubt, sondern poppig-bunt und stylish daher kommt: Derzeit ziert die Musikerin Kathleen Hanna mit knallrotem Lippenstift und cooler Hochstreckfrisur das Titelblatt. Bei einer klassischen Frauenzeitschrift wäre ein solches noch undenkbar, sagt Eismann: "Dafür wäre sie zu alt, zu wenig mager, und zu unbekannt." Als die afroamerikanische Sängerin Janelle Monáe aufs Titelbild sollte, hieß es, eine schwarze Frau am Cover würde sich schlecht verkaufen. "Wir fanden das skandalös und haben sie natürlich trotzdem aufs Cover gegeben. Wir sind ja nicht die ,TV Spielfilm‘, wo immer eine blonde Frau am Cover sein muss."