Wien. Eine ganze Menge Daten hat sich auf der Homepage der RTR (Rundfunk- und Telekom-Regulierungs-GesmbH) mehr oder weniger übersichtlich angesammelt. Denn seit 1. Juli 2012 müssen rund 5600 Unternehmen beziehungsweise Rechtsträger, die der Kontrolle des Rechnungshofs unterliegen, ihre Werbeaufträge in Fernsehen, Radio, Zeitungen und Internet quartalsweise an die KommAustria melden; bei der RTR sind diese Daten abrufbar. Für die "Wiener Zeitung" erstellte detaillierte Auswertungen, die auf den RTR-Daten der Meldungen des ersten Jahres des Medientransparenzgesetzes beruhen, zeigen eine Aufschlüsselung der Auftraggeber und Auftragnehmer. Insgesamt wurden in diesen ersten vier erfassten Quartalen Werbeaufträge in der Höhe von 203 Millionen Euro vergeben. Tatsächlich muss die reale Zahl höher sein, weil eine 5000-Euro-Grenze für die Bekanntgabe gilt. Am werbefreudigsten waren demnach die Stadt Wien und ihre Töchterunternehmen. Wien gab fast 40 Millionen für Werbeaufträge aus.

In der Detailaufschlüsselung der Auftraggeber liegt die Stadt direkt mit 26,6 Millionen Euro immer noch weit über den Ausgaben von etwa Wien Energie (3,2 Millionen Euro) und Wiener Linien (1,7 Millionen.). Im Vergleich dazu haben alle anderen Länder zusammen 38,5 Millionen ausgegeben.

Auf Platz zwei der Auftraggeber finden sich die Wirtschaftskammern Österreich mit 17,8 Millionen, im Detail war wiederum die Wirtschaftskammer Wien (3,4 Millionen) am werbekommunikativsten.

Das Verkehrsministerium folgt auf Platz drei mit 15,7 Millionen, davon fallen auf die ÖBB an die 10 Millionen Werbeaufkommen und an die ASFINAG drei Millionen. Von den Ministerien hat nur das Justizministerium keine Inserate gemeldet. Am meisten gaben neben dem Verkehrsministerium das Finanzministerium (9,1 Millionen) und das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (8,4 Millionen) aus. Insgesamt warben die Ministerien um 59,4 Millionen.

Auf der Seite der Auftragnehmer führt die Mediaprint mit Werbeeinnahmen von 30,3 Millionen. Davon gingen zwei Drittel (20,6 Millionen) an die "Krone", der "Kurier" erhielt 7,2 Millionen. Dem folgt der ORF mit 20,5 Millionen. Auf Auftraggeberseite findet sich der ORF übrigens auch prominent auf Platz vier: Er muss als Rechtsträger nämlich Gegenschäfte mit Printverlagen melden, die diese nicht melden müssen.

Die Styria hat als Drittplatzierte vom öffentlichen Werbekuchen profitiert, mit 19,9 Millionen. Davon erhielten "Die Presse" und "Kleine Zeitung" beide an die 6 Millionen. Die beiden Boulevardblätter "Österreich" und "Heute" (AHVV Verlags GesmbH) erhielten fast gleich viel, je 13,3 Millionen. Der Boulevard verdiente also – zum Vergleich noch die Einnahmen des "Standard": 6,1 Millionen – ein Vielfaches der Qualitätsmedien mit Werbung der öffentlichen Hand.
Diese erhielten in dem Zeitraum wiederum Presseförderung. Insgesamt wurden dafür 10,8 Millionen Euro bereitgestellt. Die "Presse" erhielt davon etwa 1,2 Millionen, der "Standard" 1,1 Millionen. Die Kärntner Tageszeitung, deren Muttergesellschaft heuer Insolvenz angemeldet hat, erhielt fast eine Million Presseförderung.

Die "Wiener Zeitung" erhält als Medium im Eigentum der Republik Österreich keine Presseförderung.