Eduard Habsburg-Lothringen, Urururenkel von Franz-Josef und Sisi, ist Autor, Philosoph und im Brotberuf Medienreferent des St. Pöltener Bischofs Klaus Küng. Für den Sender Servus TV führt er ab Donnerstag gemeinsam mit Schauspielerin Jessica Schwarz durch die Schlösser-Doku "Wo Grafen schlafen" (20.15 Uhr). Mit der "Wiener Zeitung" sprach er über das Elend, in einem Schloss zu leben, und die Bürde des Namens Habsburg.

"Wiener Zeitung:" Wäre jetzt nicht 2014, sondern 1914, wie würde ich Sie ansprechen?

Eduard Habsburg-Lothringen: Dann würden Sie mich mit Erzherzog Eduard ansprechen und ich würde, da ich von der ungarischen Linie der Habsburger bin, wahrscheinlich in einem Schloss in der Nähe von Budapest wohnen. Meine Karriereaussichten wären aber sehr beschränkt. Dass ich Medienreferent für einen Bischof bin oder für Servus TV Sendungen mache oder Romane schreibe, das wäre völlig undenkbar gewesen. Damals gab es einen überschaubaren Pulk von Erzherzögen, etwa 27. Die hatten eine ganz klare Karriere vor sich - das war das Heer. Punkt. Deshalb hätte ich eigentlich auch damals nicht so gerne gelebt, denn es war eine enge Welt, in der man sich nicht entfalten konnte.

In Ihrer Sendung geht es um das Leben in Schlössern. Das ist ja nicht immer so romantisch, wie man sich das vorstellen würde.

Es ist mir ein großes Anliegen, das zu zeigen. Ich stelle in der Sendung immer wieder solche Fragen. Also wie erhält man so ein Haus, ist es kalt im Winter - warum tut man sich diesen Kasten an? Ich habe mit einer Schlossbesitzerin geredet, die mir erzählt hat, dass sie trotz moderner Heizung im Winter in vielen Nächten mit Mantel schläft, weil es einfach nicht warm wird. Diesen Spagat zwischen dem Erhalt eines so großen Gebäudes, das die Menschen gemeinhin mit Reichtum assoziieren, und andererseits dem Mangel an Geld für Personal und Instandhaltung finde ich spannend.

Also ist ein Schloss eine Bürde? Man kann ein Schloss im Familienbesitz ja nicht einfach verkaufen und in ein Penthouse ziehen.

Man kann, aber man tut das nicht, weil es viele Generationen vor einem auch nicht getan haben, obwohl sie auch in großen Nöten waren. Das können wir Normalsterblichen uns gar nicht vorstellen, wie es ist, sein ganzes Leben in so einem Gebäude zu verbringen und zu wissen, das haben 13 Generationen vor mir auch so gemacht. Wahnsinn! Ich persönlich bin dankbar, dass ich in einem modernen Haus wohne, ich weiß nicht, ob ich in einem Schloss wohnen wollte. Mit viel Geld, WLAN und ein bisschen Personal ja. (lacht)