Thomas Bernhard gilt heute als ein moderner Klassiker. - © Bild: Andrej Reiser/Suhrkamp Verlag
Thomas Bernhard gilt heute als ein moderner Klassiker. - © Bild: Andrej Reiser/Suhrkamp Verlag

Thomas Bernhard - am 12. Februar 1989 gestorben - ist immer noch einer der meistdiskutierten, meistdebattierten Schriftsteller der deutschsprachigen Literatur nach 1945. Heute ist der Stein des Anstoßes ein moderner Klassiker geworden. Viele seiner Feinde mutierten nach seinem Tod zu Freunden, Anhängern und Verehrern. Und es steht darüber hinaus fest, dass das Werk dieses Dichters einen über die Maßen erstaunlichen Prozess durchlaufen hat. Auch zweieinhalb Jahrzehnte nach seinem Tod lebt Bernhard - wirkungsgeschichtlich betrachtet - weiter.

Anlässlich seines Todestages würdigt Radio Österreich1 den Schriftsteller in sechs Sendungen.

Cornelius Obonya liest aus Bernhard-Gedichten


Bevor Thomas Bernhard mit Romanen und Theaterstücken berühmt wurde, schrieb er Gedichte. Einige haben die Form von Lästergebeten, die Gott ihre Wut, Verzweiflung und Trauer entgegenschreien. Unter dem Titel "Ich will meinen Kampf beten" setzt sich Literaturkritiker Cornelius Hell mit von Cornelius Obonya gelesenen Bernhard-Gedichten auseinander - zu hören in den "Gedanken für den Tag" von Montag, den 3. bis Samstag, den 8. Februar um 6.56 Uhr.

"Der Skandalmacher. Thomas Bernhard und die öffentliche Erregung" ist dann Thema von "Betrifft: Geschichte" von Montag, den 3. bis Freitag, den 7. Februar um 17.55 Uhr: Die langjährige Theaterkritikerin der "Wiener Zeitung" und renommierte Theater-, Film- und Medienwissenschafterin Hilde Haider-Pregler lässt markante Eckdaten der Schriftsteller-Biografie Revue passieren. Von "Frost" bis zu "Auslöschung. Ein Zerfall" war Bernhards Werk ein Frontalangriff auf die politisch-soziale Verfasstheit menschlicher Existenz.

In der "Hörspiel-Galerie" steht am Samstag, den 8. Februar 14 Uhr die Geschichte eines "künstlerischen Abendessens" in Wien auf dem Programm: "Holzfällen (Der Auftritt des Burgschauspielers)" von Bernhard, das vom Ö1-Publikum zum Hörspiel des Jahres 2004 gewählt wurde. Regisseur Ulrich Gerhardt konzentriert sich in seiner Hörspielfassung von Bernhards Roman "Holzfällen. Eine Erregung" vor allem auf den Auftritt des Burgschauspielers und die entsprechenden Reflexionen des Erzählers; Studentinnen und Studenten des Wiener Max-Reinhardt-Seminars nutzen den Text als Experimentierfeld für nicht-identifikatives Sprechen.

Auch die Ö1-Literatur-Sendung "Ex libris" (Sonntag, 9. Februar, um 16 Uhr) widmet sich dem Schriftsteller: Zu hören ist ein Gespräch mit dem Mitherausgeber der Thomas-Bernhard-Werkausgabe im Suhrkamp Verlag, Martin Huber, sowie eine Besprechung von Alexander Schimmelbuschs Roman "Die Murau Identität".

"Die späten Nächte fürcht’ ich" - Gedichte von Bernhard liest Hans-Michael Rehberg in "Du holde Kunst" ebenfalls am Sonntag (8.15 Uhr).

Mit einem "Konzert am Vormittag" endet der Ö1-Schwerpunkt am Montag, den 10. Februar, um 10.05 Uhr: Peter Simonischek liest aus Bernhards "Meine Preise", für einen musikalischen Rahmen mit Franz Drdla, Johann Strauß Sohn, Josef Matthias Hauer, Rudolf Sieczynski, Fritz Kreisler und Anton Webern (aufgenommen am 28. Juni 2010 in der Helmut-List-Halle in Graz im Rahmen der styriarte 2010) sorgen Franz Bartolomey am Violoncello und Cornelia Herrmann am Klavier.(vf)